20.03.2018, 17:04 Uhr

Nairobi (AFP) Letztes männliches Exemplar der Nördlichen Breitmaulnashörner gestorben

Nördliches Breitmaulnashorn "Sudan" gestorben. Quelle: AFP/Archiv/Tony KARUMBA (Foto: AFP/Archiv/Tony KARUMBA)Nördliches Breitmaulnashorn "Sudan" gestorben. Quelle: AFP/Archiv/Tony KARUMBA (Foto: AFP/Archiv/Tony KARUMBA)

WWF nennt Sudans Tod "traurigen Weckruf" für den Artenschutz

"Sudan" ist tot: Das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn der Welt sei aufgrund altersbedingter Gesundheitsprobleme eingeschläfert worden, teilte das Wildtier-Reservat Ol Pejeta in Kenia am Dienstag mit. Nach dem Tod des 45 Jahre alten Bullen leben weltweit nur noch zwei weibliche Nördliche Breitmaulnashörner. Die letzten Hoffnungen für den Erhalt der Unterart ruhen nun auf der künstlichen Befruchtung.

Sudan litt wegen seines hohen Alters unter Muskel-, Knochen- und Hautproblemen, wie das Wildtier-Reservat Ol Pejeta mitteilte, in dem das Nashorn aus Sorge vor Wilderern rund um die Uhr von bewaffneten Wächtern beschützt wurde. "Sein Zustand hatte sich in den vergangenen 24 Stunden deutlich verschlechtert. Er konnte nicht mehr aufstehen und litt sehr stark." Die Tierärzte hätten sich deswegen dazu entschlossen, Sudan einzuschläfern.

Nashörner, wie wir sie kennen, bevölkern die Erde seit 26 Millionen Jahren. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es noch mehr als eine Million in Afrika. Als Sudan im Jahr 1973 geboren wurde, lebten etwa 700 seiner Art in freier Wildbahn. In den 70er und 80er Jahren ging die Population der Nördlichen Breitmaulnashörner in Staaten wie Uganda, dem Sudan und dem Tschad durch Wilderei massiv zurück.

Nashörner aller Arten werden wegen ihrer Hörner gejagt. Diese kommen in der traditionellen chinesischen Medizin zum Einsatz und werden unter anderem als angebliche Potenzmittel verwendet.

"Sudans Tod ist ein trauriger Weckruf, dass wir die biologische Vielfalt unserer Erde in rasantem Tempo verlieren", erklärte die Wildartenkriminalitätsexpertin Katharina Trump vom WWF Deutschland in einer Pressemitteilung. Der Schutz der Arten werde nur dann Erfolg haben, "wenn das Triebwerk der Wilderei - der Markt in Asien und anderen Ländern - gestoppt wird", bekräftigte Trump.

Eine letzte Population der Nördlichen Breitmaulnashörner in der Demokratischen Republik Kongo, rund 20 bis 30 Tiere, wurde in den 90er und 00er Jahren getötet. 2008 galt das Nördliche Breitmaulnashorn in freier Wildbahn als ausgestorben.

Aus einem Zoo im tschechischen Dvur Kralove wurden deswegen 2009 die Nashorn-Männchen Sudan und Suni sowie zwei Weibchen nach Kenia gebracht. Die Erwartung war, dass sie sich in einer natürlich Umgebung fortpflanzen würden - die Hoffnungen wurden aber nicht erfüllt. Auch Versuche, die Nashorn-Weibchen mit einem Südlichen Breitmaulnashorn zu paaren, um wenigstens einen Teil der Gene zu bewahren, schlugen fehl.

Suni starb 2014. "Sudan war das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn, das in freier Wildbahn geboren wurde", sagte nun Jan Stejskal vom Zoo in Dvur Kralove. "Sein Tod ist ein grausames Symbol für die menschliche Missachtung der Natur." Die tschechische Nachrichtenagentur CTK zitierte einen früheren Pfleger des Nashorns mit den Worten, Sudan sei "ein außergewöhnliches Tier, unglaublich lieb" und nie aggressiv gewesen.

Stejskal sagte am Dienstag, dank neuer Technologien bei der künstlichen Befruchtung gebe es Hoffnung auf einen Erhalt der Nördlichen Breitmaulnashörner. So wurde DNA-Material von Sudan aufbewahrt. Spermien mehrerer Nördlicher Breitmaulnashörner werden in Berlin gelagert. "Es mag unglaublich klingen, aber dank neuer Technologien könnte sogar Sudan noch einen Nachfahren bekommen."


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