17.03.2018, 13:29 Uhr

Moskau (AFP) Russland weist in Streit um Giftanschlag britische Diplomaten aus

Britisches Konsulat in St. Petersburg. Quelle: AFP/OLGA MALTSEVA (Foto: AFP/OLGA MALTSEVA)Britisches Konsulat in St. Petersburg. Quelle: AFP/OLGA MALTSEVA (Foto: AFP/OLGA MALTSEVA)

Tusk: EU bereitet "klare Botschaft" zu Giftanschlag in Großbritannien vor

Die diplomatische Krise zwischen London und Moskau nach dem Giftanschlag auf einen russischen Ex-Doppelagenten schaukelt sich weiter hoch: Als Reaktion auf die von London verfügte Ausweisung von 23 russischen Diplomaten ordnete Russland am Samstag die Ausweisung von 23 britischen Diplomaten an. Überdies muss die britische Kultur- und Bildungsorganisation British Council in Russland ihre Arbeit einstellen, das britische Konsulat in St. Petersburg wird geschlossen.

Vor der Ankündigung des russischen Außenministeriums war der britische Botschafter Laurie Bristow zum zweiten Mal in dieser Woche einbestellt worden. Das russische Außenministerium nannte die Sanktionen eine Antwort auf Großbritanniens "provokatives Handeln" und "gegenstandslose Anschuldigungen" im Fall Skripal und drohte mit zusätzlichen "Maßnahmen" als Reaktion auf "weitere unfreundliche Aktionen" Londons.

"Die Maßnahmen sind hart, aber die Briten haben sie verdient", sagte der Vize-Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Senat, Wladimir Dschabarow, der Nachrichtenagentur Interfax. "Und ich schließe nicht aus, dass noch etwas anderes folgen könnte", sagte er.

Die Ausweisung der britischen Diplomaten ändere "nicht an den Tatsachen - dem versuchten Mord an zwei Menschen auf britischem Boden", sagte die britische Premierministerin Theresa May am Samstag vor Parteianhängern. Für die Tat gebe es "keine andere Erklärung, als dass der russische Staat verantwortlich ist".

Skripal und seine Tochter waren am 4. März in der südenglischen Stadt Salisbury mit Nervengas sowjetischer Herkunft vergiftet worden, sie schweben weiterhin in Lebensgefahr. Großbritannien wie auch Deutschland, Frankreich und die USA machen Russland für die Tat verantwortlich. Russland weist die Vorwürfe zurück.

London verfügte vor wenigen Tagen wegen des Falls die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten. May deutete überdies weitere Strafmaßnahmen an und erwähnte in diesem Zusammenhang die Nato und den UN-Sicherheitsrat.

Am Freitag hatte der britische Außenminister Boris Johnson Russlands Staatschef Wladimir Putin persönlich für den Giftanschlag von Salisbury verantwortlich gemacht. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow nannte die Äußerungen Johnsons "schockierend und unverzeihlich".

Putin selbst, der sich am Sonntag für eine vierte Amtszeit als Präsident wiederwählen lassen will, äußerte sich bislang nicht direkt zu dem Fall. In einem Kommentar an einen BBC-Reporter sagte er vor einigen Tagen lediglich, Großbritannien sollte die "Dinge" zunächst selbst regeln, bevor Moskau mit London spreche.

Westliche Länder unterstützen die Reaktion Großbritanniens auf den Giftanschlag. Die Europäische Union wird sich bei ihrem Gipfeltreffen in der kommenden Woche nach Angaben von EU-Ratspräsident Donald Tusk klar zu dem Anschlag positionieren. Am Montag soll der Fall zudem Thema von Gesprächen zwischen Johnson und seinen EU-Kollegen sowie Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sein.

Die britische Regierung will derweil 14 Todesfälle neu untersuchen lassen, nachdem in einem Medienbericht darüber spekuliert worden war, dass diese auf das Konto Moskaus oder der russischen Mafia gehen könnten. Am Freitag waren Mordermittlungen zum mysteriösen Tod des russischen Geschäftsmanns Nikolai Gluschkow eingeleitet worden. Gluschkow wurde am 12. März tot aufgefunden, laut Autopsiebericht starb er durch "Druck auf den Nacken". Hinweise auf eine Verbindung zum Giftanschlag auf Skripal gibt es bislang aber offenbar nicht.

Die BBC berichtete am Samstag, die Polizei habe Kontakt zu in Großbritannien lebenden Russen aufgenommen, um über ihre Sicherheit zu sprechen.


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