17.03.2018, 05:10 Uhr

Ottawa (AFP) Kanada beteiligt sich spätestens ab Herbst an Stabilisierungsmission in Mali

Kanadische Soldaten. Quelle: AFP/Archiv/MIKE PATTERSON (Foto: AFP/Archiv/MIKE PATTERSON)Kanadische Soldaten. Quelle: AFP/Archiv/MIKE PATTERSON (Foto: AFP/Archiv/MIKE PATTERSON)

Entsendung von Soldaten und Hubschraubern könnte Bundeswehr entlasten

Für die Bundeswehr in Mali zeichnet sich eine Entlastung ab: Kanada will ab spätestens Herbst die internationale Stabilisierungsmission Minusma in dem westafrikanischen Land mit Soldaten und Hubschraubern unterstützen. Die kanadische Regierung meldete bei der UNO am Freitag (Ortszeit) offiziell ihr "Interesse" an, sich an dem Militäreinsatz zu beteiligen, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Regierungskreisen erfuhr. Es wäre die erste Friedensmission der kanadischen Armee in Afrika seit 1994.

Regierungschef Justin Trudeau habe am Freitag bereits mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem niederländischen Regierungschef Mark Rutte über das Vorhaben gesprochen, hieß es in Ottawa aus Regierungskreisen. In den kommenden Tagen würden weitere Verbündete konsultiert. Deutschland und die Niederlande beteiligen sich bereits an Minusma.

Nähere Angaben zu dem Einsatz werde der kanadische Verteidigungsminister Harjit Sajjan am Montag machen, hieß es weiter. Mali sei "ein wichtiger Ort, an dem wir seit langem zusammenarbeiten". Kanada werde daher im Sommer oder Herbst Soldaten, Polizisten und Hubschrauber dorthin schicken, um etwa zwölf Monate lang "logistische Unterstützung" zu leisten.

Weiter hieß es, entsprechend der Vorgaben von Regierungschef Trudeau würden verstärkt Frauen nach Mali entsandt. Studien hätten belegt, "dass Missionen mit mehr Frauen wirksamer sind".

Seit ihrem Einsatz während des Völkermordes in Ruanda 1994 hat sich die kanadische Armee nicht mehr an UN-Friedensmissionen in Afrika beteiligt.Trudeau war zur Wahl im Oktober 2015 unter anderem mit der Ankündigung angetreten, dass sich Kanada unter seiner Führung wieder an den Stabilisierungseinsätzen der Vereinten Nationen beteiligen werde.

Im November vergangenen Jahres erklärte sich seine Regierung bereit, Friedensmissionen mit 200 Soldaten, Materiallieferung und der Beteiligung an der militärischen Ausbildung zu unterstützen. Die Entsendung von Soldaten wurde allerdings immer wieder verschoben. Verbündete wie Frankreich drangen daher auf eine Entscheidung.

Die Minusma gilt als einer der gefährlichsten UN-Einsätze weltweit. Seit ihrem Beginn starben bereits mehr als 150 Blauhelmsoldaten in Mali.

Die Bundeswehr unterstützt in Mali die EU-Mission sowie den Einsatz der Vereinten Nationen. Vor gut einer Woche hatte das Bundeskabinett beschlossen, die Mandatsobergrenze für die deutsche Minusma-Beteiligung von 1000 auf 1100 Soldaten anzuheben.

Im November hatte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) allerdings angekündigt, dass die Kampf- und Rettungshubschrauber der Bundeswehr ihren Einsatz Mitte 2018 beenden würden. "Voraussichtlich bis Sommer nächsten Jahres" solle ein anderer Einsatzpartner die Aufgabe übernehmen, erklärte sie und hob zugleich hervor, dass der Einsatz in Mali "enorm gefährlich" sei. Im Juli waren zwei deutsche Soldaten beim Absturz eines Bundeswehr-Hubschraubers in Mali ums Leben gekommen.

Mali war nach einem Militärputsch im März 2012 ins Chaos gestürzt, mehrere islamistische Gruppierungen brachten den Norden des Landes unter ihre Kontrolle. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff im Januar 2013 militärisch ein, um das Vorrücken von Islamisten und Tuareg-Rebellen vom Norden in den Süden Malis zu stoppen. Später übernahm die Minusma die Überwachung der Waffenruhe zwischen den Konfliktparteien.


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