16.03.2018, 18:49 Uhr

Stockholm (AFP) Schweden schaltet sich als Vermittler im Atomkonflikt mit Nordkorea ein


Gespräche mit Nordkoreas Außenminister Ri in Stockholm auch am Samstag

Vor dem geplanten Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un hat sich Schweden als Vermittler in den Atomkonflikt eingeschaltet. Regierungschef Stefan Löfven und Außenministerin Margot Wallström sprachen am Freitag in Stockholm mit dem nordkoreanischen Chefdiplomaten Ri Yong Ho über eine Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel. Wallströms Sprecher sagte am Abend, die Gespräche würden verlängert und am Samstag fortgesetzt.

Die Unterredung fand Wallström zufolge in einer "guten und konstruktiven Atmosphäre" statt. Ri und Wallström hatten bereits am Donnerstag im schwedischen Außenministerium zu Abend gegessen. Am Freitag trafen sie in der Villa Bonnier zusammen, ein von der Regierung für offizielle Anlässe genutztes Gebäude in der Nähe der US-Botschaft. Davor hatte Ri eine Unterredung mit Löfven.

Dieser sagte später bei einer Begegnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin, Schweden gehe es darum, den Verhandlungsprozess zu "erleichtern". Merkel erklärte während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem schwedischen Ministerpräsidenten, sie freue sich über "alle Gesprächskanäle" - gerade auch durch Schwedens Beteiligung.

In die Gespräche mit Außenminister Ri in Stockholm ist nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunksender SVT auch das renommierte Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri einbezogen.

Das Weiße Haus teilte unterdessen mit, Trump und der südkoreanische Präsident Moon Jae In hätten sich zu den jüngsten Entwicklungen in einem Telefonat "vorsichtig optimistisch" geäußert. Sie seien sich einig gewesen, dass Nordkorea eine "bessere Zukunft" haben werde, wenn es dem "richtigen Weg" folge. Vor dem Treffen zwischen Trump und Kim würden beide Länder "maximalen Druck" auf Nordkorea ausüben.

Unterdessen traf der stellvertretende US-Außenminister John Sullivan in Washington mit dem japanischen Außenminister Taro Kano und später mit der südkoreanischen Außenministerin Kang Kyung Wha zusammen. Auch dabei war Nordkorea ein wichtiges Thema.

Das schwedische Außenministerium wollte Medienspekulationen nicht kommentieren, wonach Schweden ein möglicher Ort für das Treffen zwischen Kim und Trump sein könnte. Es werde um die "Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel gehen, die auf der Agenda des UN-Sicherheitsrats hoch oben steht", erklärte das Ministerium. Schweden ist derzeit nicht-ständiges Mitglied im höchsten UN-Gremium.

Die 1975 als erste westliche Botschaft in Pjöngjang eröffnete schwedische Vertretung nimmt dort auch die diplomatischen Interessen der USA, Kanadas und Australiens wahr. Sie spielt zudem eine wichtige Rolle bei der Anbahnung diplomatischer Kontakte.

Trump und Kim hatten in der vergangenen Woche dem Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm eine spektakuläre Wendung gegeben, indem sie sich zu einem Gipfeltreffen bereit erklärten. Dieses soll spätestens Ende Mai stattfinden, Zeitpunkt und Ort sind aber noch unklar.

Schweden war auch in die Verhandlungen zu dem in Nordkorea gefangengenommenen US-Studenten Otto Warmbier involviert. Warmbier war im Juni 2017 in den USA gestorben, kurz nachdem er - im Koma liegend - freigelassen und zurück in seine Heimat gebracht worden war.


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