16.03.2018, 16:16 Uhr

Adra (AFP) Hunderte Zivilisten fliehen vor tödlichen Luftangriffen auf Ost-Ghuta

Die Stadt Arbin in Ost-Ghuta. Quelle: AFP/ABDULMONAM EASSA (Foto: AFP/ABDULMONAM EASSA)Die Stadt Arbin in Ost-Ghuta. Quelle: AFP/ABDULMONAM EASSA (Foto: AFP/ABDULMONAM EASSA)

Syrische Armee ruft alle Einwohner zur Flucht auf

Hunderte Zivilisten sind am Freitag aus der syrischen Rebellenenklave Ost-Ghuta vor den tödlichen Luftangriffen der Regierungstruppen und ihrer russischen Verbündeten geflohen. Mindestens 76 Zivilisten wurden bei neuen Angriffen im südlichen Teil der Region getötet, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Die syrische Armee rief alle Einwohner von Ost-Ghuta auf, die Region nahe der Hauptstadt Damaskus über "gesicherte Korridore" zu verlassen.

Knapp 2000 Zivilisten flohen laut der Beobachtungsstelle aus der umkämpften Stadt Hammurije und umliegenden Ortschaften im Süden der Region Ost-Ghuta. Schon am Donnerstag waren ihren Angaben zufolge rund 20.000 Einwohner aus Ost-Ghuta geflohen und hatten trotz der Angst vor Inhaftierung, Folter und Gewalt in den Gebieten unter Kontrolle der Regierung Zuflucht gesucht.

Der syrische Botschafter bei der UNO, Baschar al-Dschaafari, sprach am Freitag sogar von 40.000 Menschen, die am Donnerstag aus Ost-Ghuta geflohen seien. Sie hätten die eingerichteten Fluchtkorridore genutzt und würden nun in den Zentren versorgt, die von der syrischen Regierung und dem Syrischen Roten Halbmond eingerichtet worden seien, sagte al-Dschaafari vor dem UN-Sicherheitsrat in New York.

In der Ortschaft Adra, die von der Regierung kontrolliert wird, drängten sich rund 3000 Menschen in einer Schule, die zur Flüchtlingsunterkunft umgewandelt worden war. Viele verbrachten die Nacht auf dem Fußboden. Nach heftigen Kämpfen hatte die Armee am Donnerstag Hammurije erobert, nachdem sich die islamistische Rebellengruppe Fajlak al-Rahman zurückgezogen hatte.

Syrische und russische Kampfflugzeuge setzten derweil ihre Angriffe auf Ost-Ghuta fort. Wie die Beobachtungsstelle mitteilte, gab es mindestens 76 Tote in den Städten Kafr Batna und Sakba im Süden der umkämpften Region. Ein AFP-Fotograf sah in Kafr Batna acht völlig verkohlte Leichen. Da keine Rettungskräfte mehr im Einsatz waren, konnten Verletzte nicht geborgen werden.

Seit dem Beginn ihrer Großoffensive auf Ost-Ghuta vor einem Monat haben die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad rund 70 Prozent der Region erobert. Laut der Beobachtungsstelle wurden mehr als 1350 Zivilisten bei Luftangriffen getötet. Die oppositionsnahe Organisation bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort. Für Medien sind sie kaum zu überprüfen.

Auch in der nordsyrischen Region Afrin wurden am Freitag laut der Beobachtungsstelle dutzende Zivilisten getötet. Demnach starben in der belagerten Stadt Afrin 27 Menschen durch türkischen Artilleriebeschuss, darunter sieben Kinder. Ankara weist Berichte über zivile Opfer regelmäßig als Propaganda zurück und betont, alles zum Schutz der Zivilisten zu tun.

Die türkische Armee geht in Afrin seit Januar mit verbündeten syrischen Rebellen gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) vor. Ankara sieht die Gruppe wegen ihrer engen Verbindungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Bedrohung. Die USA betrachten die YPG dagegen als wichtigen Verbündeten im Kampf gegen die Dschihadisten.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin äußerte "ernste Bedenken" angesichts des türkischen Vorgehens gegen die YPG in Afrin. Dies gelte besonders für den Schutz der Zivilbevölkerung und den Zugang zu humanitärer Hilfe. Die Bundesregierung habe diese Bedenken der Türkei auch mitgeteilt und erwarte Antworten darauf, sagte der Sprecher.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte zur Offensive in Ost-Ghuta, die Bundesregierung verurteile "weiterhin scharf, dass das syrische Regime mit russischer Unterstützung seine Angriffe auf die eingeschlossene Bevölkerung fortsetzt". Sie verurteile auch die Angriffe der Rebellen auf Wohngebiete in Damaskus, doch rechtfertigten diese nicht das Vorgehen der Regierung.


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