16.03.2018, 10:13 Uhr

Rio de Janeiro (AFP) Zehntausende Brasilianer gehen nach Mord an Politikerin auf die Straße

Demonstration in Rio de Janeiro. Quelle: AFP/Mauro Pimentel (Foto: AFP/Mauro Pimentel)Demonstration in Rio de Janeiro. Quelle: AFP/Mauro Pimentel (Foto: AFP/Mauro Pimentel)

38-Jährige in ihrem Auto erschossen

Aus Protest gegen den Mord an der linken Kommunalpolitikerin Marielle Franco in Brasilien sind zehntausende Menschen in verschiedenen Teilen des Landes auf die Straße gegangen. Eine riesige Menschenmenge zog am Donnerstag durch die Innenstadt von Rio de Janeiro, wie AFP-Reporter berichteten. Mit weit mehr als 10.000 Teilnehmern war es eine der größten spontanen Demonstrationen in der Stadt seit Jahren.

Viele Teilnehmer trugen schwarze Kleidung und riefen Slogans gegen die Polizei wie "Genug Tötungen, Zeit zu reagieren!" Die Demonstrantin Ana Paula Brandao sagte, Franco habe "alles Neue repräsentiert, auf das die Menschen hoffen konnten - eine schwarze Frau aus den ärmlichen Gegenden, die dahin gelangte, wo sie uns repräsentieren konnte und für all die großen Dinge kämpfte".

Auch in São Paulo gingen rund 10.000 Menschen auf die Straße. Proteste gab es auch in der weit entfernten Amazonas-Stadt Belém.

Die 38-jährige Marielle Franco war am Mittwoch in Rio de Janeiro im Auto erschossen worden. Franco saß für die linke Partei Sozialismus und Freiheit (PSOL) im Stadtrat von Rio de Janeiro. Als Politikerin kritisierte sie das Vorgehen der Polizei in den Favelas und die Anordnung von Präsident Michel Temer, die Armee zur Bekämpfung der Gewalt in Rio einzusetzen.

Temer bezeichnete den Mord an Franco als "Angriff auf die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit". Er versprach volle Unterstützung durch die Bundesbehörden. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte eine umfassende Untersuchung "der Hintergründe, des Motivs und der Verantwortlichkeit". Die Hilfsorganisation Brot für die Welt erklärte, der Mord zeige, "dass der Einsatz für Menschenrechte und Gerechtigkeit in Brasilien immer gefährlicher wird".


0 Kommentare