16.03.2018, 09:25 Uhr

Berlin (AFP) Seehofer: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland"

Seehofer weist den Satz "Der Islam gehört zu Deutschland" zurück. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Kay Nietfeld (Foto: dpa/AFP/Archiv/Kay Nietfeld)Seehofer weist den Satz "Der Islam gehört zu Deutschland" zurück. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Kay Nietfeld (Foto: dpa/AFP/Archiv/Kay Nietfeld)

Neuer Bundesinnenminister will an Islamkonferenzen festhalten

Der neue Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat den Satz "Der Islam gehört zu Deutschland" als falsch bezeichnet und damit Kritik von den Grünen geerntet. "Nein. Der Islam gehört nicht zu Deutschland", sagte Seehofer der "Bild"-Zeitung (Freitagsausgabe). Die Grünen kritisierten die Aussagen des CSU-Politikers scharf.

Deutschland sei durch das Christentum geprägt, dazu gehörten der freie Sonntag, kirchliche Feiertage und Rituale wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten, sagte Seehofer. "Die bei uns lebenden Muslime gehören aber selbstverständlich zu Deutschland", fügte er hinzu. Dies bedeute jedoch nicht, "dass wir deswegen aus falscher Rücksichtnahme unsere landestypischen Traditionen und Gebräuche aufgeben".

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth bezeichnete Seehofers Äußerung als "Signal der Ausgrenzung". Ein Heimatminister, der am ersten Tag seiner Amtszeit angesichts brennender Moscheen und Morddrohungen gegen den Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime, Aiman Mazyek, nicht Solidarität bekunde, "hat sich umgehend disqualifiziert und handelt sträflich verantwortungslos", erklärte sie in Berlin.

Der Grünen-Abgeordnete Jürgen Trittin sagte im Südwestrundfunk: "So setzt die CSU ihren fatalen Kurs fort und macht Wahlkampf für die AfD." Ein Heimatminister, der es als erste Aufgabe sieht, "die Heimat zu spalten, der ist fehl am Platze".

Der Satz "Der Islam gehört zu Deutschland" war durch den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff und seine Rede zur Deutschen Einheit im Jahr 2010 bekannt geworden und hatte immer wieder zu Diskussionen geführt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihn mehrfach und ausdrücklich unterstützt.

Seehofer kündigte an, erneut Islamkonferenzen einberufen zu wollen, um die Probleme der Integration von Muslimen in Deutschland zu diskutieren. Die Islamkonferenz sei ihm wichtig. "Wir müssen uns mit den muslimischen Verbänden an einen Tisch setzen und den Dialog suchen und da wo nötig noch ausbauen", sagte Seehofer.

Muslime müssten "mit uns leben, nicht neben oder gegen uns". Um dies zu erreichen, seien gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme erforderlich. "Das erreicht man nur, wenn man miteinander spricht."


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