16.03.2018, 15:10 Uhr

Stockholm (AFP) Schweden vermittelt im Atomkonflikt um Nordkorea


Nordkoreanischer Außenminister Ri führt in Stockholm diplomatische Gespräche

Vor dem geplanten Gipfeltreffen der USA und Nordkoreas schaltet sich Schweden als Vermittler in den Atomkonflikt ein. Ministerpräsident Stefan Löfven und Außenministerin Margot Wallström trafen am Freitag in Stockholm den nordkoreanischen Chefdiplomaten Ri Yong Ho zu Gesprächen. "Wir haben die ganze Zeit gesagt, dass wir gerne als Vermittler auftreten wollen", sagte Löfven später bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin.

"Hauptakteure" im Konflikt um Pjöngjangs Atomwaffen- und Raketenprogramm seien Nordkorea, Südkorea, die USA, China und Japan, sagte Löfven in Berlin. "Wenn wir als Ermöglicher auftreten können, damit etwas herauskommt, dann werden wir das natürlich machen." Es gehe darum, den Verhandlungsprozess zu "erleichtern".

"Ich freue mich über alle Gesprächskanäle, die es gibt, und gerade auch, wenn das durch Schweden der Fall ist", sagte Merkel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Löfven. Der Konflikt müsse durch "Gespräche" beigelegt werden.

Außenminister Ri Yong Ho war am Donnerstagabend auf dem Stockholmer Flughafen Arlanda gelandet. Bei den Gesprächen in der schwedischen Hauptstadt ging es nach schwedischen Angaben um die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel und um das geplante Gipfeltreffen zwischen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump. Der öffentlich-rechtliche Rundfunksender SVT berichtete, an den Gesprächen sei auch das renommierte Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri beteiligt.

"Jetzt ist Dialog notwendig, und wir sind froh, dass wir dieses Treffen haben", sagte Außenministerin Wallström am Freitag. "Wir sind nicht naiv, wir denken nicht, dass wir die Probleme der Welt lösen können." Schweden wolle aber seine Kontakte so gut wie möglich nutzen.

Das schwedische Außenministerium wollte Medienspekulationen nicht kommentieren, wonach Schweden ein möglicher Ort für das Treffen zwischen Kim und Trump sein könnte. Die Gespräche würden sich "auf Schwedens konsularische Verpflichtungen als Schutzmacht für die USA, Kanada und Australien konzentrieren". Zudem werde es um die "Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel gehen, die auf der Agenda des UN-Sicherheitsrats hoch oben steht", erklärte das Ministerium. Schweden ist derzeit nicht-ständiges Mitglied im höchsten UN-Gremium.

Schweden war das erste westliche Land, das 1975 eine Botschaft in Nordkorea eröffnete. Diese vertritt in Pjöngjang die diplomatischen Interessen der USA, Kanadas und Australiens und spielt eine wichtige Rolle bei der Anbahnung diplomatischer Kontakte.

US-Präsident Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim hatten in der vergangenen Woche dem Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm eine spektakuläre Wendung gegeben, indem sie sich zu einem Gipfeltreffen bereit erklärten. Dieses soll spätestens im Mai stattfinden, Zeitpunkt und Ort sind aber noch unklar.

Schweden war auch in die Verhandlungen zu dem in Nordkorea gefangengenommenen US-Studenten Otto Warmbier involviert. Warmbier war im Juni 2017 in den USA gestorben, kurz nachdem er - im Koma liegend - freigelassen und zurück in seine Heimat gebracht worden war.


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