15.03.2018, 12:09 Uhr

Washington (AFP) Oklahoma will Todesspritze durch Inhalation von Stickstoff ersetzen

Todeszelle in einem US-Gefängnis         . Quelle: TEXAS DEPARTMENT OF CORRECTIONS/AFP/Archiv/ (Foto: TEXAS DEPARTMENT OF CORRECTIONS/AFP/Archiv/)Todeszelle in einem US-Gefängnis . Quelle: TEXAS DEPARTMENT OF CORRECTIONS/AFP/Archiv/ (Foto: TEXAS DEPARTMENT OF CORRECTIONS/AFP/Archiv/)

Mittel ist laut Staatsanwalt "effektiv" und leicht erhältlich

Als erster US-Bundesstaat will Oklahoma zum Tode verurteilte Häftlinge künftig durch die Inhalation von Stickstoff hinrichten. Oklahoma habe sich für diese Methode entschieden, da zahlreiche Bundesstaaten Schwierigkeiten bei der Beschaffung der für Todesspritzen erforderlichen Mittel hätten, sagte Staatsanwalt Mike Hunter am Mittwoch vor Journalisten.

Stickstoff werde bei Hinrichtungen "effektiv" und leicht anzuwenden sein, sagte Hunter weiter. Zudem sei das Gas leicht erhältlich und bedürfe bei der Anwendung "keiner komplexen medizinischen Verfahren".

Die erzwungene Inhalation von Stickstoff führt innerhalb weniger Minuten zum Tod durch Sauerstoffmangel, wie Hunters Büro erklärte. Todeskandidaten würden Müdigkeit, Schwindel, Atemverlust und Euphorie empfinden, bevor sie das Bewusstsein verlören.

Bei Hinrichtungen wurde Stickstoff allerdings noch nie eingesetzt - nur bei der Schlachtung von Tieren. Der Anwalt Dale Baich, der Todeskandidaten in Oklahoma vertritt, forderte die Strafvollzugsbehörden angesichts der völlig unerprobten Hinrichtungsmethode zu "Vorsicht" und "vollständiger Transparenz" auf.

Zustimmung zu der Entscheidung äußerte Joe Allbaugh, Chef der Gefängnisse in dem Bundesstaat. Die bisherigen Stoffe für Hinrichtungen seien äußert schwer zu beschaffen gewesen, sagte Allbaugh. "Und wir werden nicht versuchen, die Mittel illegal zu beschaffen."

Hinrichtungen waren in Oklahoma nach einer Reihe von Unfällen vorübergehend ausgesetzt worden. Einem verurteilten Häftling war die falsche Dosis Gift gespritzt worden. Geschworene hatten die Vorfälle untersucht und Stickstoff als Alternative vorgeschlagen. Das Parlament von Oklahoma bewilligte anschließend den Einsatz des Gases.

Damit könnten auch die Hinrichtungen in dem Bundesstaat wieder aufgenommen werden. Allerdings werde dies frühestens Ende dieses Jahres der Fall sein, berichtete die Zeitung "The Oklahoman".

Die USA haben seit mehreren Jahren Probleme bei der Beschaffung der für die Giftinjektionen verwendeten Mittel, weil europäische Firmen sich weigern, die Betäubungsmittel zu liefern. Mehrere Bundesstaaten, die in den USA noch die Todesstrafe vollstrecken, benutzen seitdem für Hinrichtungen neue Mittel, die teils aber nicht offiziell zugelassen und erprobt sind.

In einigen US-Bundesstaaten besteht noch die Möglichkeit, Todeskandidaten in einer Gaskammer hinzurichten. Seit 1976 war dies nach Angaben des Informationszentrums zur Todesstrafe (DPIC) elf Mal der Fall.


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