15.03.2018, 11:38 Uhr

Berlin (AFP) Jedes siebte Kind in Deutschland zu dick oder sogar fettleibig

Viele Kinder in Deutschland sind zu dick. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Ralf Hirschberger (Foto: dpa/AFP/Archiv/Ralf Hirschberger)Viele Kinder in Deutschland sind zu dick. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Ralf Hirschberger (Foto: dpa/AFP/Archiv/Ralf Hirschberger)

RKI: Zahl der Übergewichtigen stagniert - aber auf hohem Niveau

Etwa jedes siebte Kind in Deutschland ist zu dick oder sogar fettleibig. Das zeigt eine aktuelle Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, die das Robert-Koch-Institut (RKI) am Donnerstag in Berlin vorstellte. Demnach sind 15,4 Prozent der Mädchen und Jungen im Alter zwischen drei und 17 Jahren übergewichtig. Fast sechs Prozent davon haben sogar Adipositas, also extremes Übergewicht.

Damit sind genauso viele Kinder und Jugendliche übergewichtig oder fettleibig wie vor zehn Jahren, als es im Zeitraum von 2003 bis 2006 erstmals eine solch großangelegte Untersuchung zur Kinder- und Jugendgesundheit (Kiggs) gab. Der Anstieg von Übergewicht und Adipositas ist dem RKI zufolge zwar gestoppt, es gebe aber eine "Stabilisierung auf hohem Niveau". Deshalb könne auch keine Entwarnung gegeben werden.

Während sich zwischen Mädchen und Jungen keine Unterschiede zeigten, sind Kinder aus sozial benachteiligten Familien jedoch rund viermal häufiger stark übergewichtig als Gleichaltrige mit hohem sozialökonomischen Status. Die Daten der jüngsten Studie stammen aus den Jahren 2014 bis 2017.

Sie zeigen zum Beispiel auch, dass mehr als die Hälfte der zwei- bis sechsjährigen Kinder mit Übergewicht oder Adipositas auch als Jugendliche übergewichtig beziehungsweise fettleibig sind. Im Umkehrschluss heißt das, dass weniger als die Hälfte es später schafft, die Pfunde wieder loszuwerden. Aus Sicht der Experten bestätigt dies, wie notwendig eine frühe Vorbeugung ist.

Wie die Studie weiter zeigt, bewegen sich Kinder und Jugendliche in Deutschland entschieden zu wenig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt den Heranwachsenden mindestens 60 Minuten aktive Bewegungszeit pro Tag - doch nur 22,4 Prozent der Mädchen und 29,4 Prozent der Jungen schaffen dies. Das sind weniger als bei der ersten Untersuchung vor gut zehn Jahren.

Der Konsum zuckerhaltiger Getränke sank zwar deutlich, ist aber immer noch viel zu hoch. Aktuell trinken knapp 17 Prozent der Mädchen und rund 22 Prozent der Jungen ein- oder mehrmals täglich zuckergesüßte Erfrischungsgetränke. Vor einem Jahrzehnt war der Konsum mit rund 28 Prozent bei den Mädchen und 34 Prozent bei den Jungen noch erheblich höher. Cola, Limonade und Co. gelten als Risikofaktor für die Entstehung von Übergewicht, Adipositas, Diabetes und weiteren chronischen Krankheiten.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch wies der Lebensmittelindustrie eine Mitverantwortung zu. Neun von zehn Lebensmitteln, die etwa mit Comicfiguren für Kinder beworben würden, seien "zu süß, zu fettig, zu salzig" und entsprächen nicht den Vorgaben der WHO für gesunde Kinderprodukte.

Foodwatch forderte die Bundesregierung zu wirksamen Maßnahmen auf. "Wir brauchen Werbebeschränkungen für ungesunde Kinderlebensmittel, eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben und eine Herstellerabgabe für überzuckerte Getränke", erklärte Luise Molling von der Verbraucherorganisation.

Kiggs ist die einzige umfassende Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. An der jüngsten Untersuchung beteiligten sich rund 10.800 Teilnehmer aus der ersten Befragung. Zudem gab es eine neue unter rund 15.000 Kindern und Jugendlichen. Untersucht wurden dabei etwa auch psychische Auffälligkeiten im Lebensverlauf, die Entwicklung des Rauchverhaltens und die Verbreitung von Allergien.


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