15.03.2018, 12:15 Uhr

Washington (AFP) Toys"R"Us schließt alle US-Filialen

Toys"R"-Us-Filiale in Kalifornien. Quelle: AFP/Archiv/FREDERIC J. BROWN (Foto: AFP/Archiv/FREDERIC J. BROWN)Toys"R"-Us-Filiale in Kalifornien. Quelle: AFP/Archiv/FREDERIC J. BROWN (Foto: AFP/Archiv/FREDERIC J. BROWN)

Chef des insolventen Spielwarenhändlers spricht von "tieftraurigem Tag"

Ende einer Ära: Der Spielwarenhändler Toys"R"Us schließt alle seine Filialen in den USA. Es gebe keine finanzielle Unterstützung mehr dafür, die US-Geschäfte fortzuführen, erklärte Unternehmenschef Dave Brandon. Die Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in Asien will das Unternehmen wohl verkaufen, in anderen Ländern prüfe Toys"R"Us noch "die Optionen".

Eltern in den USA kaufen bereits seit 1948 Spielzeug bei Toys"R"Us. Schon zehn Jahre nach der Firmengründung eröffnete Charles Lazarus den ersten großen Spielwaren-Supermarkt mit der Giraffe im Schriftzug. In den 80er Jahren expandierte das Unternehmen - erst nach Kanada, dann auch nach Europa. In Deutschland machte Ende 1986 der erste Toys"R"Us-Markt auf: riesig und quietschbunt.

Doch den Start ins Online-Zeitalter verpasste das Unternehmen. Erst 1998 startete Toys"R"Us den Verkauf übers Internet. Mit Amazon vereinbarte der Spielwarenhändler im Jahr 2000 eine Zusammenarbeit.

Seit 2004 ging es bergab, 2005 wurde das Unternehmen an die Investmentfonds Bain Capital und KKR sowie den Immobilieninvestor Vornado Realty Trust verkauft.

Im September 2017 erklärte das Unternehmen seine Insolvenz - hoffte aber noch, sich unter Gläubigerschutz sanieren zu können. Diese Hoffnung ist nun dahin. Die Entscheidung, alle Filialen in den USA zu schließen, sei "ein zutiefst trauriger Tag für uns und die Millionen Kinder und Familien, an die wir in den letzten 70 Jahren Spielzeug verkaufen durften", erklärte Unternehmenschef Brandon.

65.000 Menschen arbeiten derzeit für die Spielzeugkette. Von der Schließung der 735 Filialen auf US-Gebiet sind nach Medienberichten bis zu 33.000 Mitarbeiter betroffen.

In Kanada könnten die Toys"R"US- Filialen noch gerettet werden, wie das Unternehmen mitteilte - eventuell sogar zusammen mit einigen der rentabelsten US-Geschäfte. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in Asien seien eine "Umstrukturierung" und ein "Verkaufsprozess" geplant. In Frankreich, Spanien, Portugal, Polen und in Australien prüfe das Unternehmen derzeit die Optionen, darunter eine "mögliche Abgabe".

In Großbritannien ist seit Mittwoch Schluss. Dort hat Toys"R"Us die Schließung von hundert Geschäften in den folgenden sechs Wochen bekanntgegeben.

In Deutschland betreibt Toys"R"US eigenen Angaben zufolge 66 Filialen - erst Ende Januar war eine in Sankt Augustin neu eröffnet worden. Beschäftigt bei dem Spielwarenhändler sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 2000 Menschen. Die Toys"R"Us GmbH in Köln betonte: "Alle unsere Filialen und Onlineshops haben weiterhin normal geöffnet und bieten allen Kunden den gewohnten Service." In Zentraleuropa könne Toys"R"Us auf ein "sehr solides Geschäftsjahr und eine gute Weihnachtssaison zurückblicken", erklärte der für die Region zuständige Geschäftsführer Detlef Mutterer.


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