09.03.2018, 20:42 Uhr

Bratislava (AFP) Zehntausende Slowaken protestieren gegen Regierung und Korruption

Protest in Bratislava für Rücktritt Ficos und Kalinaks . Quelle: AFP/JOE KLAMAR (Foto: AFP/JOE KLAMAR)Protest in Bratislava für Rücktritt Ficos und Kalinaks . Quelle: AFP/JOE KLAMAR (Foto: AFP/JOE KLAMAR)

Kundgebungen auch in Tschechien

In der Slowakei sind am Freitag zehntausende Menschen aus Protest gegen die grassierende Korruption in dem Land auf die Straße gegangen. Sie forderten den Rücktritt von Regierungschef Robert Fico. Die Demonstrationen unter dem Motto "Für eine ehrliche Slowakei" waren eine Reaktion auf die Ermordung des slowakischen Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak und dessen Verlobter Ende Februar. Kuciak hatte zu den Verbindungen zwischen slowakischen Politikern und der italienischen Mafia recherchiert.

Allein in der Hauptstadt Bratislava demonstrierten Medienberichten zufolge 40.000 Menschen. "Ich wünsche mir eine ehrliche Slowakei, in der die Regierung für die Menschen tätig ist und nicht für ihr eigenes Wohlergehen", sagte die Studentin Mariana, die an der friedlichen Kundgebung teilnahm.

Ähnliche Demonstrationen gab es in dutzenden slowakischen Städten, aber auch im benachbarten Tschechien. Vor der slowakischen Botschaft in Prag protestierten hunderte Menschen und auch in der zweitgrößten Stadt Brno fand eine Kundgebung statt.

Ministerpräsident Fico steht nach dem Doppelmord im In- und Ausland unter Druck. Die Partei Most Hid, die zu Ficos Drei-Parteien-Koalition gehört, erwägt einen Austritt aus der Regierung. Die Entscheidung wird für Montagabend erwartet. Verlässt die Partei das Kabinett, steuert die Slowakei auf eine Minderheitsregierung und Neuwahlen zu. Fico warf seinerseits der Opposition vor, den Mord an dem Journalisten zu instrumentalisieren, um Proteste zu schüren und in Bratislava an die Macht zu gelangen.

Mitglieder des Europäischen Parlaments suchten am Freitag das Haus auf, in dem Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova erschossen wurden. Die Europäische Union werde "alles tun", um die Ermittlungen zu dem Doppelmord zu unterstützen, schrieb der britische Europaabgeordnete Claude Moraes nach dem Besuch im Kurzbotschaftendienst Twitter.


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