07.03.2018, 10:35 Uhr

Frankfurt/Main (AFP) Zahl der Chefinnen im Mittelstand steigt - aber nur langsam

Frau bei einer Präsentation. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Tobias Kleinschmidt (Foto: dpa/AFP/Archiv/Tobias Kleinschmidt)Frau bei einer Präsentation. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Tobias Kleinschmidt (Foto: dpa/AFP/Archiv/Tobias Kleinschmidt)

Anteil aber deutlich höher als in börsennotierten Unternehmen

Auch im deutschen Mittelstand steigt die Zahl der Chefinnen nur langsam. Der Frauenanteil in den Geschäftsführungen kletterte im vergangenen Jahr von 15 auf 16,3 Prozent, wie die Unternehmensberatung EY am Mittwoch mitteilte. Dieser Anteil ist demnach aber deutlich höher als in den börsennotierten Unternehmen: In diesen 160 Firmen betrug der Anteil der weiblichen Vorstandsmitglieder 2017 gerade einmal 7,3 Prozent.

Die 30 größten börsennotierten Unternehmen, die im Deutschen Aktienindex (Dax) vertreten sind, wiesen laut EY einen Frauenanteil von 13 Prozent in ihren Vorständen auf.

Im Mittelstand hätten "nach wie vor mehrheitlich Männer das Sagen", erklärte EY-Partnerin Elfriede Eckl. Frauen schafften es nur mühsam in die Entscheidungsgremien. So besteht die Geschäftsführungsebene bei mehr als jedem dritten Mittelständler (36 Prozent) nur aus Männern. Hat es eine Frau in die Führungsetage geschafft, ist sie oft allein. Gerade einmal bei 13 Prozent der Mittelständler ist die Geschäftsführung zu mehr als 40 Prozent von Frauen besetzt.

EY wertete die Ergebnisse seines Mittelstandsbarometers aus. Dafür wurden deutschlandweit 2000 mittelständische Unternehmen mit mindestens 20 Millionen Euro und höchstens einer Milliarde Euro Umsatz befragt.

Demnach sagten 35 Prozent der Mittelständler, es falle ihnen schwer, geeignete Frauen für ihr Unternehmen zu gewinnen. Vor einem Jahr waren es nur 28 Prozent. EY-Partnerin Eckl schätzt daher, dass der Anteil weiblicher Führungskräfte nur langsam steigen dürfte.

Viele Firmen hätten die Förderung von Frauen "lange Zeit nicht ernst genug genommen", kritisierte Eckl. Außerdem sei die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oft noch schwierig und auch fehlende flexible Arbeitszeiten schränkten viele Frauen ein. Nur eine Minderheit von 20 Prozent der Mittelständler betreibe eine aktive Frauenförderung, heißt es in der EY-Analyse.

Aufgeschlüsselt nach Branchen zeigt sich der Unternehmensberatung zufolge, dass Frauen vor allem in den klassischen Industriebranchen seltener in den Führungsetagen sitzen. So beträgt der Anteil von Chefinnen im Maschinenbau demnach zwölf Prozent, in der Metallbranche 13 und im Bausektor 14 Prozent. Handels- und Logistikunternehmen erreichen einen Anteil von 20 Prozent. Wichtig sei deshalb eine gezielte Förderung schon in den Schulen, forderte Eckl.


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