06.03.2018, 13:26 Uhr

Stuttgart (AFP) Forscher: Durch Zecken übertragene FSME-Fälle breiten sich nach Norden aus

Bald werden die Zecken wieder aktiv. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Patrick Pleul (Foto: dpa/AFP/Archiv/Patrick Pleul)Bald werden die Zecken wieder aktiv. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Patrick Pleul (Foto: dpa/AFP/Archiv/Patrick Pleul)

2017 so viele Erkrankungen wie seit mehr als zehn Jahren nicht

FSME-infizierte Zecken breiten sich in Deutschland Experten zufolge weiter in den Norden aus. Zwar treten 85 Prozent der Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) nach wie vor in Bayern und Baden-Württemberg auf, wie Forscher der Universität Hohenheim am Dienstag in Stuttgart erklärten. Es gebe aber in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin "ganz neue Hotspots", in denen FSME-Erkrankungen gehäuft vorkommen, erklärte Zeckenexpertin Ute Mackenstedt.

"Zum allerersten Mal erhalten wir sogar Erkrankungsberichte aus den Niederlanden", fügte sie hinzu. Nach Angaben der Forscher wurden im vergangenen Jahr in Deutschland bei knapp 500 Menschen FSME-Erkrankungen diagnostiziert und damit so viele, wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Es handle sich "um die zweihöchste je registrierte Zahl von Erkrankungsfällen", erklärte Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München.

Zecken können den Erreger für FSME, eine virusbedingte Hirnhaut- oder Gehirnentzündung, übertragen. Zudem sind sie Träger von Bakterien, die Lyme-Borreliose verursachen. Die Krankheit kann Nervensysteme und Gelenke schädigen.

Bisher schwer einzuschätzen ist den Forschern zufolge die Gefahr, die von neuen Zeckenarten in Deutschland ausgeht. So stießen Experten 2016 erstmals auf das FSME-Virus in der in Deutschland zunehmend einwandernden Auwaldzecke.

Ein Erkrankungsrisiko birgt demnach auch Rohmilch. Nachdem 2016 zwei Menschen in Deutschland nach dem Genuss von Rohmilchkäse erkrankten, waren im vergangenen Jahr acht Menschen nach dem Genuss von Ziegenrohmilch betroffen. Das Krankheitsrisiko sei durch FSME-infizierte Rohmilch dreimal höher als nach dem Biss infizierter Zecken.

Zuverlässigen Schutz vor FSME bietet den Experten zufolge nach wie vor nur eine Impfung, die zu nahezu hundert Prozent wirksam sei. In Deutschland seien aber nur 20 Prozent der Bevölkerung geimpft.


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