01.03.2018, 14:40 Uhr

Moskau (AFP) Putin stellt in Rede neue Atomwaffen vor


Russlands Staatschef verspricht vor Präsidentschaftswahl auch Kampf gegen Armut

Zweieinhalb Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Russland hat Staatschef Wladimir Putin neue Atomwaffen und weitere Waffensysteme vorgestellt. In seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation berichtete Putin am Donnerstag in Moskau über eine neue Atomrakete mit "praktisch unbegrenztem" Aktionsradius, die von keinem Abwehrsystem der Welt abgefangen werden könne. Das Raketensystem sei "unbesiegbar", sagte Putin vor Ministern und Parlamentariern.

In seiner von Video-Aufnahmen und 3D-Illustrationen begleiteten Rede stellte Putin auch eine Unterwasser-Drohne vor, die ebenfalls mit Atomsprengköpfen ausgestattet werden könne. Das System sei "einfach fantastisch". Außerdem sprach der 65-Jährige, der auf eine vierte Amtszeit als Präsident zusteuert, über eine neue Laserwaffe, zu der er noch "keine Details" nennen wolle. Junge Wissenschaftler, die an Rüstungsprojekten mitarbeiten, würdigte Putin als "Helden unserer Zeit".

Fast die Hälfte seiner zweistündigen Rede zur Lage der Nation widmete Putin der Rüstung. Russland sei trotz aller Probleme die größte Atommacht der Welt geblieben, sagte er. "Niemand wollte mit uns reden, niemand wollte uns zuhören. Hört uns jetzt zu!", rief der Präsident und erhielt dafür kräftigen Applaus der Zuhörer, unter ihnen Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Außenminister Sergej Lawrow.

Die wegen der Ukraine-Krise gegen Russland verhängten Sanktionen hätten sein Land nicht von der Weiterentwicklung seines Waffenarsenals abgehalten, sagte Putin. Zugleich beteuerte er, Russland sei für niemanden eine "Bedrohung". Es sei nicht seine Absicht, die militärischen Fähigkeiten zu Angriffszwecken einzusetzen.

Zweieinhalb Wochen vor der Präsidentschaftswahl vom 18. März versprach Putin auch einen verstärkten Kampf gegen die Armut. Er wolle die "inakzeptable" Armutsquote während der kommenden sechs Jahre "mindestens halbieren". Seit Beginn seiner ersten Amtszeit als Präsident vor 18 Jahren sei die Zahl der Armen bereits von 42 Millionen auf 20 Millionen zurückgegangen. Allerdings ist die Armut in Russland in Putins laufender Amtszeit angesichts der schweren Wirtschaftskrise wieder angestiegen.

Allgemein versprach Putin seinen Landsleuten am Donnerstag einen höheren Lebensstandard. "Das Wohlergehen Russlands und das Wohlergehen unserer Bürger muss die Grundlage von allem sein, und in diesem Bereich müssen wir einen Durchbruch erreichen." Der Präsident stellte auch mehr Bemühungen für den Umweltschutz in Aussicht. Er wolle gegen "schwarzen Schnee", unsauberes Trinkwasser und Smog vorgehen, sagte Putin.

Für seine Rede erhielt Putin tosenden Beifall. In den sozialen Netzwerken gab es dagegen auch kritische Kommentare. "Der alte Mann ist erst munter geworden, als er darüber gesprochen hat, wie er die Welt zerstören kann", schrieb etwa der Politik-Analyst und frühere Kreml-Berater Gleb Pawlowski. "Ein Moment der Wahrheit!"

Ein Sieg Putins bei der Präsidentschaftswahl gilt als sicher. Spätestens mit dem Ausschluss von Oppositionsführer Alexej Nawalny von der Wahl hat der Amtsinhaber keine Gegner, die ihm gefährlich werden könnten. Seit 18 Jahren ist der einstige KGB-Agent in Russland als Präsident oder Ministerpräsident der starke Mann. Ein erneuter Wahlsieg würde ihm ein Mandat bis 2024 sichern.


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