27.02.2018, 10:30 Uhr

Riad (AFP) Saudi-Arabiens König wechselt großen Teil der Militärführung aus

Saudi-Arabiens König Salman (Archivfoto). Quelle: Saudi Royal Palace/AFP/Archiv/BANDAR AL-JALOUD (Foto: Saudi Royal Palace/AFP/Archiv/BANDAR AL-JALOUD)Saudi-Arabiens König Salman (Archivfoto). Quelle: Saudi Royal Palace/AFP/Archiv/BANDAR AL-JALOUD (Foto: Saudi Royal Palace/AFP/Archiv/BANDAR AL-JALOUD)

Verjüngung auch bei hohen Regierungsämtern

Im Zuge eines breit angelegten Modernisierungsprogramms für das ultrakonservative Saudi-Arabien hat König Salman zentrale Posten in der Militärführung neu besetzt. Generalstabschef Abdul Rahman bin Saleh al-Bunjan sowie die Kommandeure des Heeres und der Luftwaffe wurden entlassen, wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA am Montag meldete. Zudem seien mehrere stellvertretende Minister, stellvertretende Provinzgouverneure und Berater am Königshof abgesetzt worden.

Neuer Generalstabschef wurde demnach Fajad al-Ruwaili. Offizielle Gründe für die Personalwechsel wurden nicht genannt. Alle Entscheidungen seien jedoch "auf Empfehlung" des Thronfolgers Mohammed bin Salman gefallen. Der Kronprinz, der auch Verteidigungsminister ist, hat in den vergangenen Monaten seine Macht konsolidiert, während er zeitgleich wirtschaftliche und gesellschaftliche Reformen anstieß.

Die Absetzung von al-Bunja erfolgte kurz nach der Eröffnung einer Rüstungsmesse des staatlichen Unternehmens Saudi Arabian Military Industries (Sami) in Riad. An ihr nahmen eine Reihe internationaler Rüstungskonzerne teil.

"In Saudi-Arabien findet ein militärischer Umbau statt", sagte Theodore Karasik von Gulf States Analytics der Nachrichtenagentur AFP. "Dies ist ein wichtiger Teil des Reformplans von Prinz Mohammed für ein nationales Verteidigungsprogramm."

Seit drei Jahren führt Saudi-Arabien eine Militärkoalition an, die Luftangriffe im Jemen fliegt, um den Kampf der dortigen Regierung gegen die vom Iran unterstützte schiitische Huthi-Miliz zu unterstützen. Seitdem wurden mehr als 9200 Menschen getötet und etwa 53.000 weitere verletzt. Mit dem Erzrivalen Iran ringt Saudi-Arabien um die Vorherrschaft in der Region.

König Salman tauschte am Montag zudem Personal in hohen Regierungsämtern durch jüngere Nachfolger aus. Auf den Posten des stellvertretenden Ministers für Arbeit und soziale Entwicklung sei mit Tamadar bint Jussef al-Ramah erstmals eine Frau nachgerückt, hieß es in Riad.

Prinz Turki bin Talal wurde demnach zum Gouverneur der südlichen Provinz Assir ernannt. Er ist der Bruder des Milliardärs Prinz al-Waleed bin Talal, der vergangenes Jahr wegen Korruptionsverdacht festgenommen worden war. Seit Januar ist al-Waleed wieder auf freiem Fuß.

Kronprinz Mohammed will durch die Verjüngung der Regierung offenbar auch der demographischen Entwicklung in seinem Land Rechnung zu tragen: Rund 70 Prozent der saudiarabischen Bevölkerung sind jünger als 30 Jahre. Weitere Reformen zielen auf die Zivilgesellschaft ab. So sollen Frauen ab Juni in Saudi-Arabien Auto fahren dürfen. Kürzlich hatte Riad zudem angekündigt, dass Frauen ohne Einwilligung eines Mannes Unternehmen gründen dürfen.


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