27.02.2018, 17:35 Uhr

Offenbach (AFP) Kälterekorde zum Ende des Winters

Zugspitze. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Angelika Warmuth (Foto: dpa/AFP/Archiv/Angelika Warmuth)Zugspitze. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Angelika Warmuth (Foto: dpa/AFP/Archiv/Angelika Warmuth)

Bereits mindestens 24 Kältetote in Europa

Sibirische Kälte in Europa: Von der Ostsee bis zum Mittelmeer wurden am Dienstag Rekord-Minustemperaturen gemessen. Auf der Zugspitze fiel die Temperatur in der Nacht auf minus 30,5 Grad Celsius und damit auf den niedrigsten jemals Ende Februar gemessenen Wert, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Auch in Polen, Frankreich und Italien herrschten besonders eisige Temperaturen. Seit Freitag wurden in Europa mindestens 24 Kältetote gezählt.

Die Nacht zum Dienstag war insgesamt in Deutschland die kälteste Nacht des Winters. Im Süden Bayerns oder im Norden Hessens wurden laut DWD Temperaturen von minus 17 Grad gemessen. Für die Nacht zum Mittwoch wurde erneut bittere Kälte vorhergesagt. Zum Wochenende erwarten die Meteorologen aber in Deutschland wieder mildere Temperaturen.

Ungewöhnlich ist vor allem, dass es Ende Februar noch einmal so eiskalt wurde. Bis zum meteorologischen Frühlingsanfang am Donnerstag soll es in Deutschland bitterkalt bleiben. Der gesamte Winter war allerdings überwiegend mild. Der Wetterdienst beobachtete im Dezember, Januar und Februar einen "milden, niederschlagsreichen und sonnigen Winter mit eisigem Finale". Die Durchschnittstemperatur lag im Winter mit 1,6 Grad um 1,4 Grad über dem international gültigen Referenzwert im Zeitraum von 1961 bis 1990. Ende Februar habe sich dann aber "nochmals ein Schwall eisiger Kaltluft aus dem Osten und Nordosten Europas" auf den Weg nach Deutschland gemacht, erklärte der Wetterdienst.

Angesichts der Eiseskälte wuchs die Gefahr für Obdachlose. Mehrere Städte, darunter Berlin und Rom, stellten zusätzliche Betten in Notunterkünften bereit. Das Rote Kreuz entsandte Helfer und forderte die Menschen auf, auf Nachbarn und Verwandte zu achten. Einige belgische Städte wiesen die Polizei an, Obdachlose, die sich weigern, in eine Unterkunft zu gehen, in Gewahrsam zu nehmen.

Europaweit starben seit Freitag bereits mindestens 24 Menschen in der Kälte - neun in Polen, davon allein fünf in der Nacht zum Dienstag. In Warschau sank die Temperatur in der Nacht zum Dienstag auf minus 16 Grad. Vier Menschen erfroren in Frankreich, drei in Tschechien, fünf in Litauen, zwei in Rumänien und einer in Italien. In Kassel fanden Polizisten in der Nacht zum Dienstag an einer Bushaltestelle eine vermisste und völlig durchgefrorene 75-jährige Frau.

Auch am Mittelmeer blieb es ungewöhnlich winterlich. Die Bucht von Ajaccio auf Korsika war am Dienstag zugeschneit, und auch die italienische Insel Capri lag unter eine Schneeschicht. Rom hatte bereits am Montag unter einer Schneedecke gelegen, dort wurde es am Dienstag wieder wärmer. In Italien blieben viele Schulen wegen des Wintereinbruchs geschlossen.

Der Flughafen im süditalienischen Neapel wurde am Dienstagmorgen wegen Schneefalls geschlossen, wegen Glatteis wurde zudem der Busverkehr in der Stadt eingestellt. In der Nähe von Turin kam ein Autofahrer mit dem Schrecken davon, als ein Eiszapfen von einer Brücke abbrach und auf der Windschutzscheibe seines Autos landete.

Schnee und Glatteis führten auch zu Behinderungen im Flugverkehr. Weil es in England ungewöhnlich stark schneite, strich British Airways am Flughafen London-Heathrow 60 Flüge. In Kroatien war die Zugverbindung zwischen Zagreb und Split unterbrochen. In Rumänien wurden drei Häfen am Schwarzen Meer geschlossen, in Bulgarien der Flughafen von Warna.

Weil die Europäer ihre Heizungen voll aufdrehten, verzeichnete der russische Gaskonzern Gazprom Rekord-Lieferungen. Sechs Tage in Folge hätten die Exporte Rekorde gebrochen, erklärte das Unternehmen.


0 Kommentare