22.02.2018, 16:57 Uhr

Washington (AFP) Trump fordert Bewaffnung von Lehrern in den USA

Trump mit Überlebenden des Schulmassakers. Quelle: AFP/Mandel NGAN (Foto: AFP/Mandel NGAN)Trump mit Überlebenden des Schulmassakers. Quelle: AFP/Mandel NGAN (Foto: AFP/Mandel NGAN)

Vorschlag bei Treffen mit Massaker-Überlebenden löst Kritik aus

Während einer hochemotionalen Gesprächsrunde mit Überlebenden des Schulmassakers von Florida hat US-Präsident Donald Trump einen drastischen Vorschlag lanciert: Ein Teil der Lehrer sollten mit Waffen ausgerüstet werden. Sie sollten die Waffen versteckt am Körper tragen und könnten so seinen Angriff "sehr schnell" beenden, sagte Trump bei dem Treffen am Mittwoch im Weißen Haus. Sein Vorstoß löste viel Kritik aus, unter anderem in der US-Lehrerschaft.

Trump zeigte sich jedoch von der Kritik unbeeindruckt und legte am Donnerstag nach. Eine waffenfreie Schule sei "ein Magnet für schlechte Menschen", schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter. Wenn 20 Prozent der Lehrer ein anspruchsvolles Waffentraining bekämen und Waffen bei sich trügen, könnten sie bei einer Attacke "sofort zurückfeuern".

Der Lehrerverband American Federation of Teachers wies Trumps Vorschlag als "schreckliche Idee" zurück. Gebraucht würden stattdessen "vernünftige Gesetze" gegen Schusswaffengewalt, twitterte die Vorsitzende Randi Weingarten.

Auch bei einer Podiumsdiskussion in Florida erntete Trump heftige Kritik. "Soll ich nun auch noch ausgebildet werden, um die Schüler nicht nur zu unterrichten, sondern auch zu beschützen?", fragte die Lehrerin Ashley Kurth, Überlebende des Massakers an einer Oberschule in Parkland, bei dem ein früherer dortiger Schüler 17 Menschen erschossen hatte.

Auch der für Parkland zuständige Polizeichef Scott Israel lehnte Trumps Vorstoß ab: "Ich denke nicht, dass Lehrer bewaffnet werden sollten. Lehrer sollten unterrichten."

Der Vorschlag des Präsidenten ist allerdings nicht neu. In einigen US-Bundesstaaten ist Lehrern das Tragen von Waffen bereits erlaubt. Die mächtige Waffenlobby NRA hatte die Bewaffnung von Lehrern bereits vor Jahren empfohlen.

Trump ist seit dem Wahlkampf mit der NRA verbündet und bekräftigte nun seine Solidarität mit den Waffenlobbyisten, deren politischer Einfluss von Parkland-Überlebenden vehement kritisiert wird. Bei der NRA seien "großartige Leute und großartige amerikanische Patrioten", twitterte er.

NRA-Chef Wayne LaPierre kritisierte, dass das Parkland-Blutbad in "schändlicher" Weise politisch ausgeschlachtet werde. Den Gegnern seines Verbandes gehe es nicht um die Schulsicherheit. Vielmehr hassten sie das Verfassungsrecht auf Waffenbesitz. "Sie hassen die individuelle Freiheit", sagte LaPierre bei einer Versammlung von Konservativen nahe Washington.

Trump machte noch weitere Vorschläge zur Verhinderung von Bluttaten, die weitgehend mit den NRA-Positionen übereinstimmen. Dies gilt etwa für von ihm zugesagte verstärkte Kontrollen potenzieller Waffenkäufer, bei denen der Schwerpunkt auf der "psychischen Gesundheit" liegen solle.

In einem anderen Punkt wich Trump allerdings von der NRA-Linie ab: Er plädierte auch dafür, das Mindestalter für den Kauf von Gewehren auf 21 Jahre anzuheben. Die Waffenlobbyisten lehnen dies ab. Der 19-jährige Todesschütze von Florida hatte sein Gewehr auf legalem Wege erstanden.

Bei der Gesprächsrunde im Weißen Haus wurde Trump unmittelbar mit Trauer und Zorn von Überlebenden und Hinterbliebenen konfrontiert. Zu den Teilnehmern gehörten nicht nur Schüler des Blutbads in Parkland und Eltern dortiger Todesopfer, sondern auch Zeugen und Hinterbliebene früherer Blutbäder an Schulen.

"Ich bin sehr wütend darüber, dass dies passiert ist", sagte Andrew Pollack, Vater einer in Parkland erschossenen 18-Jährigen. Er verstehe nicht, wieso Flughäfen, Stadien und Botschaften beschützt würden, nicht aber Schulen. Der Schüler Samuel Zeif aus Parkland sagte: "Ich verstehe nicht, wieso ich noch immer in ein Geschäft gehen und eine Kriegswaffe kaufen kann."

Für Spott sorgte ein Notizzettel, den Trump in den Händen hielt. Darauf war unter anderem der Hinweis notiert, dass er Mitgefühl ausdrücken solle: "Ich verstehe euch". Trump brauche offenbar Hilfe, um seine Anteilnahme zu äußern, schrieben Nutzer der sozialen Netzwerke.


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