08.02.2018, 15:55 Uhr

Dhofar (AFP) "Mars"-Mission in Oman hat mit "Landungstag" begonnen


Wissenschaftler simulieren drei Wochen lang Leben auf dem Roten Planeten

Ein internationales Forscherteam lebt seit Donnerstag im Golfstaat Oman auf dem "Mars": Mit dem sogenannten Landungstag begann in der Wüste von Dhofar die "Isolations"-Phase eines mehrwöchigen Experiments, mit dem die Forscher und Raumfahrtspezialisten bemannte Marsmissionen vorbereiten wollen. Bis Ende Februar werden nun sechs "Astronauten" aus fünf verschiedenen Ländern ein Leben auf dem Roten Planeten simulieren.

An dem Projekt Amadee-18 unter Federführung des Österreichischen Weltraumforums (ÖWF) und unter Schirmherrschaft des Sultanats Oman sind Wissenschaftler und Experten aus rund 20 Ländern beteiligt. In den nächsten drei Wochen wollen sie unter anderem Ausrüstung und Marsfahrzeuge testen.

Außerdem wollen sie untersuchen, ob in einem aufblasbaren Treibhaus Gemüse wächst und herausfinden, wie sie unter den extremen Bedingungen miteinander zurechtkommen. Geplant sind insgesamt 16 Experimente aus den Bereichen der Humanwissenschaften, Geowissenschaften, Robotik, Software und Astrobiologie.

Bei Problemen sind die "Marsmenschen" auf sich allein gestellt, einziger Kontakt nach außen ist das Kontrollzentrum in Innsbruck. Mit ihm kann die Feldcrew in Oman aber nur mit zehnminütiger Verzögerung kommunizieren, um auch diesen Aspekt einer Mission zum Roten Planeten realitätsnah nachzustellen.

Den Großteil des rund eine halbe Million Euro teuren Projekts finanzierten Partner aus der Industrie und private Spender. "Der überwiegende Teil unserer Finanzierung stammt nicht vom Steuerzahler", sagte ÖWF-Präsident Alexander Soucek der Nachrichtenagentur AFP.

Sein Forum sei ein Netzwerk für Raumfahrtspezialisten und Weltrauminteressierte, das mit Forschungseinrichtungen und der Privatindustrie zusammenarbeite. "Wir sammeln Gelder, gründen Partnerschaften und laden alle ein, ihre Kräfte zu bündeln", erläuterte Soucek. Dies mache die Forschung besonders flexibel und anpassungsfähig.

Viele Mitglieder des Österreichischen Weltraumforums teilen mit Unternehmern wie Elon Musk den Wunsch, sich außerhalb der rigiden nationalen Weltraumprogramme an der Erforschung des Alls zu beteiligen. Die freiwilligen "Astronauten" von Amadee-18 verfolgten am Dienstag bewundernd den Jungfernflug von Falcon Heavy, der weltweit stärksten Schwerlastrakete von Musks Unternehmen SpaceX.

Aber nicht in allen Fragen sind sie sich mit dem US-Unternehmer einig. Dazu zählt die Frage der Kommerzialisierung des Weltraums: "Weder der Mond gehört uns noch die Asteroiden", sagte João Lousada, während er in der omanischen Wüste mit Hilfe dreier Techniker ein Exoskelett für die Simulation von Druck anlegte. Deshalb sei es auch eine interessante Frage, was mit Gesteinsproben und anderen Ressourcen aus dem All geschehen soll.

Sein Kollege Kartik Kumar, eine Spezialist für Weltraummüll, denkt derweil über die Rolle nach, die Weltraumreisende haben. "Wir dürfen bei der Erforschung unseres Planeten und Sonnensystems niemals unsere ethische Verantwortung vergessen", sagte Kumar. Bei allen Träumen, eines Tags den Fuß auf den Mars zu setzen, müsse jeder bedenken, dass dieser "gemeinsames Erbe" sei und für künftige Generationen geschützt werden müsse.


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