31.12.2017, 20:59 Uhr

Kinshasa (AFP) Mindestens acht Tote bei regierungskritischen Protesten im Kongo

Proteste gegen Kabila im November. Quelle: AFP/Archiv/JUNIOR KANNAH (Foto: AFP/Archiv/JUNIOR KANNAH)Proteste gegen Kabila im November. Quelle: AFP/Archiv/JUNIOR KANNAH (Foto: AFP/Archiv/JUNIOR KANNAH)

Polizei treibt Gottesdienstbesucher mit Tränengas auseinander

Bei Zusammenstößen zwischen Polizisten und regierungskritischen Demonstranten in der Demokratischen Republik Kongo sind mindestens acht Menschen getötet worden. Nach UN-Angaben wurden am Sonntag zudem rund 120 Menschen am Rande der Proteste gegen Präsident Joseph Kabila festgenommen, zu denen die katholische Kirche aufgerufen hatte. Sicherheitskräfte feuerten Tränengas in Kirchen und gaben Warnschüsse ab, um Gottesdienstbesucher auseinanderzutreiben.

Sieben Menschen seien in der Hauptstadt Kinshasa, ein weiterer sei in der zentralen Stadt Kananga getötet worden, verlautete aus einer UN-Quelle. Demnach wurden rund 80 Menschen, darunter Priester, in Kinshasa festgenommen. Etwa 40 weitere Festnahmen habe es im Rest des Landes gegeben.

Die Katholische Kirche des Landes hatte zu friedlichen Protesten aufgerufen. Damit wollte sie an die Unterzeichnung eines Abkommens ein Jahr zuvor erinnern, das für 2017 die Wahl eines Nachfolgers für Staatschef Kabila vorsah. Die Behörden hatten jedoch jegliche Demonstrationen verboten.

Mindestens vier der Todesopfer waren Zivilisten. Polizeisprecher Pierrot-Rombaut Mwanamputu sagte dem staatlichen Fernsehen, zwei Jugendliche seien im Osten von Kinshasa getötet worden. Ein weiterer Zivilist kam demnach im Norden der Hauptstadt ums Leben. Die Regierung teilte ferner mit, dass ein Polizist bei den Zusammenstößen getötet wurde.

Ein AFP-Reporter beobachtete am Sonntag, wie Soldaten einem Mann bei einem Protestmarsch in der Stadt Kananga in die Brust schossen.

In mehreren Kirchen in Kinshasa trieben Sicherheitskräfte Gottesdienstbesucher mit Tränengas auseinander und feuerten Warnschüsse ab. Im Zentrum der Stadt wurden zwölf junge Messdiener festgenommen, die einen Protestzug gegen Kabila anführten, wie ein AFP-Reporter berichtete. Mindestens 15 Menschen wurden in Kinshasa und zwei weitere in der zweitgrößten Stadt des Landes, Lubumbashi, verletzt.

Bereits in der Nacht waren vor den Kirchen der Stadt Polizei und Armee aufmarschiert, Straßensperren wurden eingerichtet. Die Demokratische Republik Kongo, eine frühere Kolonie Belgiens, ist mehrheitlich katholisch.

Das Internet wurde "aus Gründen der staatlichen Sicherheit" abgeschaltet. Vor der St. Michaels-Kirche in Kinshasa drohte ein Armeeoffizier einem Reporterteam der Nachrichtenagentur AFP: Wenn die Journalisten nicht abzögen, werde er seinen Soldaten Befehl erteilen, auf sie zu schießen. Ein Journalist des französischen Radiosenders RFI wurde vorübergehend festgenommen.

Kabila weigert sich, die Macht abzugeben, obwohl seine Amtszeit offiziell bereits vor einem Jahr endete. Ursprünglich sollten 2017 Wahlen für seine Nachfolge stattfinden, doch diese wurden immer wieder verschoben. Geplant ist nun, die Präsidentschaftswahl im Dezember 2018 abzuhalten. Kritiker fordern, dass Kabila nicht erneut antritt.


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