28.12.2017, 15:40 Uhr

Kabul (AFP) Mehr als 40 Tote bei IS-Selbstmordattentat in Kabul


Schiitisches Kulturzentrum in afghanischer Hauptstadt angegriffen

Bei einem Selbstmordanschlag auf ein schiitisches Kulturzentrum sind in der afghanischen Hauptstadt Kabul mehr als 40 Menschen getötet worden. Dutzende weitere seien bei dem Attentat am Donnerstag verletzt worden, teilte das afghanische Gesundheitsministerium mit. Zu der Tat bekannte sich die sunnitische Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) verurteilte die Tat als "heimtückischen Terror".

Nach neuem Stand seien bei dem Anschlag 41 Menschen getötet und 84 weitere verletzt worden, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Über sein Sprachrohr Amaq teilte der IS mit, das schiitische Zentrum sei Ziel des Selbstmordattentats und von drei Bomben gewesen.

Laut afghanischem Innenministerium gab es zwei kleinere Bombenexplosionen nach dem eigentlichen Anschlag. Dabei sei niemand getötet worden. Ministeriumssprecher Nadschib Danisch kündigte an, "das Blut (der Opfer) zu rächen". Außerdem würden mögliche Nachlässigkeiten durch die Polizei beim Schutz der Veranstaltung untersucht.

Zahlreiche Menschen erlitten bei dem Anschlag schwere Verbrennungen, zu den Opfern zählten auch Kinder. In einem Krankenhaus spielten sich dramatische Szenen ab, viele Menschen suchten verzweifelt nach verletzten Angehörigen. Manche schrien und verfluchten laut die Regierung, der sie vorwerfen, die regelmäßigen Anschläge nicht zu verhindern.

In dem Kulturzentrum wurde zum Tatzeitpunkt eine Veranstaltung zum 38. Jahrestag des sowjetischen Einmarschs in Afghanistan abgehalten. Ein Student, der bei der Veranstaltung in der zweiten Reihe saß, sagte dem Sender Tolo News: "Nach der Explosion war Feuer und Rauch in dem Gebäude, und jeder bettelte um Hilfe."

Das Kulturzentrum befindet sich in der Nähe der Nachrichtenagentur Afghan Voice Agency (AVA). In ersten Berichten war vermutet worden, dass die Agentur Ziel des Anschlags gewesen sein könnte. Ein AVA-Journalist sagte, unter den mehr als hundert Gästen der Veranstaltung seien auch einige seiner Kollegen gewesen. Auf der Facebook-Seite der Agentur waren Fotos von Trümmern und auf dem Boden liegenden Leichen zu sehen.

In Kabul hat die Zahl der Anschläge zuletzt stark zugenommen. Erst am Montag waren mindestens sechs Menschen bei einem Selbstmordanschlag vor einem Gelände des afghanischen Geheimdienstes getötet worden. Der IS reklamierte auch diesen Anschlag für sich. Kabul gilt inzwischen als einer der gefährlichsten Orte für Zivilisten in Afghanistan.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte, der neue Anschlag in Kabul zeige einmal mehr, dass die afghanische Hauptstadt nicht sicher sei. "Die europäischen Regierungen, die auf dieser gefährlichen Fiktion beharren, indem sie Afghanen abschieben, setzen deren Leben aufs Spiel", erklärte der Südasien-Direktor von Amnesty, Biraj Patnaik.

Deutschland hatte im vergangenen Jahr ein Rückführungsabkommen mit Afghanistan geschlossen. Derzeit werden hierzulande allerdings nur Straftäter, sogenannte Gefährder und Afghanen, die ihre Identität verschleiern, in das Land abgeschoben.

Bundesaußenminister Gabriel erklärte in Berlin, der Anschlag in Kabul habe sich "gegen Bildung, gegen freie Medien und gegen jeden Menschen, der eigenständig denkt und entscheidet", gerichtet. Die Täter wollten Zwietracht säen. "Diese böse Saat darf nicht aufgehen", mahnte Gabriel. Die Nato-Mission in Afghanistan verurteilte den Anschlag als "abscheuliches" Verbrechen.


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