26.12.2017, 13:03 Uhr

Guatemala-Stadt (AFP) Auch Guatemala will Botschaft in Israel nach Jerusalem verlegen

Guatemalas Präsident Morales (l.) bei einem Besuch bei Israels Regierungschef Netanjahu. Quelle: POOL/AFP/Archiv/ABIR SULTAN (Foto: POOL/AFP/Archiv/ABIR SULTAN)Guatemalas Präsident Morales (l.) bei einem Besuch bei Israels Regierungschef Netanjahu. Quelle: POOL/AFP/Archiv/ABIR SULTAN (Foto: POOL/AFP/Archiv/ABIR SULTAN)

Vize-Außenministerin: Israel mit zehn Ländern in Kontakt wegen Botschaftsumzug

Guatemala folgt als erstes Land der umstrittenen Israel-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump und verlegt seine Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. Der Präsident des zentralamerikanischen Landes, Jimmy Morales, kündigte am Wochenende den Umzug der diplomatischen Vertretung an. Die Palästinenserführung nannte den Schritt "beschämend", die israelische Regierung begrüßte die Entscheidung hingegen als wegweisend. Auch andere Länder erwägen demnach einen Botschafts-Umzug.

Morales erklärte am Sonntag auf seiner Facebook-Seite, er habe sich nach einem Gespräch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zu dem Schritt entschlossen und Außenministerin Sandra Jovel angewiesen, den Umzug der Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem in die Wege zu leiten. Das Außenministerium erklärte am Montag, erste Schritte zur Umsetzung der Anordnung liefen bereits.

Netanjahu begrüßte die Ankündigung. "Andere Länder werden Jerusalem anerkennen und den Umzug ihrer Botschaften ankündigen", erklärte er am Montag. "Ein zweites Land hat es getan und ich wiederhole: Es wird weitere geben, das ist nur der Anfang, und es ist wichtig."

Israels Vize-Außenministerin Zipi Hotovely sagte im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, ihre Regierung sei mit "mindestens zehn Ländern" im Gespräch über eine Verlegung ihrer Botschaften von Tel Aviv nach Jerusalem. "Was wir bisher gesehen haben, war nur der Anfang", betonte sie. Nach Informationen des israelischen Radios erwägen unter anderem Honduras, Rumänien, die Philippinen und der Südsudan einen solchen Schritt. Von konkreten Verhandlungen könne aber noch keine Rede sein.

Das palästinensische Außenministerium verurteilte das Vorgehen Guatemalas. "Es ist eine beschämende und illegale Handlung, die völlig dem Willen der Kirchenführer in Jerusalem widerspricht", erklärte das Ministerium. "Der Staat Palästina sieht dies als ungeheuerlichen feindlichen Akt gegen die unveräußerlichen Rechte des palästinensischen Volkes und gegen das internationale Recht an." Palästina werde "mit den regionalen und internationalen Partnern gegen diese illegale Entscheidung vorgehen".

Erst am Donnerstag hatte die UN-Vollversammlung mit deutlicher Mehrheit die Entscheidung der USA verurteilt, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen. Für eine entsprechende, allerdings nicht-bindende Resolution stimmten 128 der 193 UN-Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland. Neben den USA und Israel votierten nur sieben Staaten dagegen, darunter Guatemala und das Nachbarland Honduras.

Trump hatte andere Länder zuvor scharf davor gewarnt, in der Vollversammlung gegen die USA zu stimmen, und ihnen mit einer Kürzung finanzieller Zuwendungen gedroht. Guatemala und Honduras sind finanziell abhängig von den USA, die dort den Kampf gegen Drogenbanden unterstützen.

Morales hatte Guatemalas Votum in der UN-Vollversammlung am Freitag damit begründet, dass sein Land "historisch proisraelisch" sei. Schon seit 70 Jahren sei Israel ein "Verbündeter" Guatemalas. Seine Regierung sei überzeugt, auf dem "richtigen Weg" zu sein.

Guatemalas Ex-Präsident Eduardo Stein warnte allerdings vor wirtschaftlichen Einbußen für sein Land, das als weltgrößter Exporteur von Kardamom zahlreiche Unternehmen in arabischen Länder zu seinen wichtigsten Kunden zählt. Stein erinnerte daran, dass auch sein Vorgänger Ramiro de León Carpio die Botschaft in Israel in den 90er Jahren nach Jerusalem verlegten wollte, nach einem Handelsboykott muslimischer Länder aber einen Rückzieher machen musste.

Der Status von Jerusalem ist eine der heikelsten Fragen im Nahost-Konflikt. Sowohl Israel als auch die Palästinenser beanspruchen Jerusalem als ihre Hauptstadt. Kritiker werfen Trump vor, mit seiner Entscheidung für Jerusalem als israelische Hauptstadt die Friedensbemühungen im Nahost-Konflikt weiter erschwert zu haben.

Papst Franziskus rief am Montag in seiner Weihnachtsbotschaft zu "Frieden für Jerusalem und für das ganze Heilige Land" auf. Er äußerte die Hoffnung, im Nahost-Konflikt doch noch eine Verhandlungslösung zu finden, die eine "friedliche Koexistenz zweier Staaten" ermöglichen werde.


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