22.12.2017, 12:58 Uhr

Freiburg (AFP) Lebenslange Haft wegen Mordes an Joggerin in Endingen verhängt

Der angeklagte Catalin C. vor der Urteilsverkündung. Quelle: dpa/AFP/Patrick Seeger (Foto: dpa/AFP/Patrick Seeger)Der angeklagte Catalin C. vor der Urteilsverkündung. Quelle: dpa/AFP/Patrick Seeger (Foto: dpa/AFP/Patrick Seeger)

Freiburger Landgericht erkennt auf besondere Schwere der Schuld

Für den Mord an einer Joggerin in Endingen am Kaiserstuhl ist ein 40-jähriger Fernfahrer zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Freiburg sprach ihn am Freitag schuldig, die 27-jährige Carolin G. vergewaltigt und umgebracht zu haben. Der Mann tötete laut Urteil zuvor bereits in Österreich eine junge Frau. Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest.

Der angeklagte Lkw-Fahrer Catalin C. griff die 27-Jährige nach Überzeugung des Gerichts im November 2016 in einem Wald bei Endingen an, würgte und missbrauchte sie sexuell. Er tötete sie demnach, indem er ihr mehrfach mit einem Gegenstand auf den Kopf schlug. Die Richter sahen es zudem als erwiesen an, dass er im Januar 2014 im österreichischen Kufstein eine französische Austauschstudentin vergewaltigte und tötete.

"Für die Kammer steht ohne jeden Zweifel fest, dass der Angeklagte für den Tod der beiden Frauen verantwortlich ist", sagte die Vorsitzende Richterin Eva Kleine-Cosack. Sie begründete die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld ausdrücklich mit den beiden Taten. Es könne von einer "Handschrift" gesprochen werden.

Die besondere Schwere der Schuld schließt eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren aus. Das Gericht stellte zudem den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung fest, über die während der Haft entschieden wird. Den 40-Jährigen erwartet wegen des Todes der französischen Austauschstudentin in Kufstein auch noch ein Prozess in Österreich.

Der Lkw-Fahrer hatte zu Prozessbeginn Mitte November ein Teilgeständnis abgelegt. Er sagte aus, dass er Schnaps getrunken habe und im Wald Carolin G. begegnet sei. Er habe ihr dann mit einer fast leeren Flasche auf den Kopf geschlagen. Laut seiner damaligen Aussage konnte er sich an eine Vergewaltigung nicht erinnern.

Das Gericht sah diese Schilderung nicht als glaubwürdig an. Dass er nur einmal mit einer Flasche zugeschlagen habe, sei durch objektive Befunde widerlegt, sagte Richterin Kleine-Cosack. Die Kammer glaube ihm seine Darstellung nicht.

Das Motiv des Angeklagten blieb letztlich unklar. "Die Frage nach dem Warum ist unbeantwortet geblieben", stellte die Richterin fest. Die Beantwortung bleibe so lange Spekulation, wie der Angeklagte nicht bereit sei, darüber zu reden. "Wir glauben weniger, dass er es nicht will, sondern dass er es nicht kann", sagte die Richterin.

Mit dem Urteil folgte das Gericht der Strafmaßforderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf Totschlag plädiert. Der Anwalt der in dem Verfahren als Nebenkläger auftretenden Eltern, Peter Oberholzner, zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. Die Eltern seien "erleichtert", dass er tatsächlich wegen Mordes und Vergewaltigung verurteilt worden sei. "Sie sind glücklich, dass es vorbei ist".

Der Verteidiger des Angeklagten, Klaus Malek, wollte sich nicht festlegen, ob er Revision gegen das Urteil einlegt. Der Schuldspruch überrasche ihn aber "nicht vollkommen", sagte er.


0 Kommentare