21.12.2017, 12:52 Uhr

Melbourne (AFP) 19 Verletzte bei mutmaßlicher Autoattacke auf Passanten in Melbourne

Polizei und Rettungskräfte am Unfallort. Quelle: AFP/Mal Fairclough (Foto: AFP/Mal Fairclough)Polizei und Rettungskräfte am Unfallort. Quelle: AFP/Mal Fairclough (Foto: AFP/Mal Fairclough)

Wagen rast in Menschenmenge - Polizei: Keine Hinweise auf Terrorismus

Ein Autofahrer ist am Donnerstag in Melbourne offenbar absichtlich in eine Gruppe von Fußgängern gerast. 19 Menschen wurden verletzt, vier von ihnen schwer, wie der Regierungschef des Bundesstaates Victoria, Daniel Andrews, sagte. Die Polizei ging von Vorsatz aus, die Hintergründe blieben zunächst jedoch unklar. Hinweise auf einen Anschlag gab es laut Polizei nicht. Der Fahrer, ein polizeibekannter Kleinkrimineller, und ein zweiter Verdächtiger wurden festgenommen.

Das Auto erfasste die Passanten auf einer vielbefahrenen Kreuzung im Zentrum der zweitgrößten australischen Stadt. Der Wagen sei ungebremst in die Menge gerast, berichtete der TV-Sender Sky News Australia unter Berufung auf Zeugen. Das Fahrzeug sei schließlich gegen einen Poller geprallt. Anfangs war von 14 Verletzten die Rede gewesen. Die Polizei des Bundesstaates Victoria startete im Kurzbotschaftendienst Twitter einen Zeugenaufruf.

Nach Polizeiangaben hatte der Fahrer des Wagens psychische Probleme und eine Drogenvergangenheit. Der 32-jährige Verdächtige sei der Polizei wegen Drogenproblemen und kleineren Delikten bekannt, sagte der Polizeichef des Bundesstaates Victoria, Shane Patton, am Donnerstag. "Derzeit haben wir keine Hinweise oder Geheimdiensterkenntnisse, die auf eine Terrorverbindung hindeuten" oder auf Extremismus, fügte Patton hinzu.

Auf Fotos vom Unfallort war zu sehen, wie ein Mann von der Polizei aus dem Auto gezerrt wurde, während ein zweiter Mann mit Handschellen gefesselt auf dem Boden saß. Eine Vernehmung des Fahrers war zunächst nicht möglich. Der Fahrer werde im Krankenhaus behandelt und stehe unter polizeilicher Bewachung, sagte Patton. Der Premierminister von Victoria, Andrews, sprach von einer "bösen, absichtlichen, feigen Tat".

Eine Zeugin sagte dem Radiosender 3AW, sie habe Schreie gehört, bevor Menschen in alle Richtungen weggeschleudert worden seien. Es habe "Wir haben diesen Lärm gehört, nach links geschaut und dieses weiße Auto gesehen, das einfach alle niedergemäht hat", sagte sie. "Wir hörten 'bumm', 'bumm'", beschrieb die Zeugin das Aufprallgeräusch. Nach Angaben von Sky News Australia war unter den Verletzten auch ein Kind im Vorschulalter, das mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht wurde.

Ein weiterer Zeuge sagte dem Sender ABC Radio Melbourne, dass ein "SUV mit großer Geschwindigkeit" herangerast sei. Er gehört, wie das Auto mit Menschen und Einkaufswagen kollidiert sei - "hoffentlich keine Kinderwagen". Er zittere immer noch. Die Einkaufsstraße ist besonders zur Adventszeit belebt, zudem sind in Australien derzeit Weihnachtsferien.

Im Januar war ein Autofahrer in eine beliebte Einkaufsstraße in Melbourne gerast. Er tötete sechs Fußgänger. Mehrere Passanten wurden verletzt. Einen terroristischen Hintergrund schloss die Polizei damals aus. Gegen den Mann, der sich derzeit vor Gericht verantworten muss, lief eine Fahndung, weil er seinen Bruder erstochen haben soll.


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