21.12.2017, 14:36 Uhr

Barcelona (AFP) Katalanen stimmen in Schicksalswahl über künftige Regionalregierung ab


Lange Schlangen vor Wahllokalen - Abstimmung gilt als Votum über Unabhängigkeit

Im politisch gespaltenen Katalonien haben die Wähler am Donnerstag ein neues Regionalparlament gewählt. Vor den Wahllokalen bildeten sich am frühen Morgen lange Schlangen. Nach wochenlanger schwerer Krise wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen in Katalonien gilt die Abstimmung als richtungsweisend: Alle Augen sind darauf gerichtet, ob die Parteien, die für eine Abspaltung von Spanien eintreten, ihre absolute Mehrheit verteidigen können.

5,5 Millionen Stimmberechtigte in der autonomen Region waren aufgerufen, die 135 Sitze im katalanischen Parlament neu zu vergeben. Der Ausgang der Wahl gilt als völlig offen: In Umfragen lieferten sich Unabhängigkeitsbefürworter und deren Gegner zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Angesichts der Tragweite der Wahl wird mit einer Rekordbeteiligung gerechnet.

Der nach Belgien geflohene Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont sprach von einem entscheidenden Tag für die Zukunft Kataloniens. "Heute werden wir erneut unsere Stärke als unbeugsames Volk demonstrieren", schrieb er am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Trotz eines Verbots durch das Oberste Gericht Spaniens hatte die katalanische Regierung am 1. Oktober ein Referendum über die Unabhängigkeit von Spanien abgehalten. Ende Oktober rief das Parlament in Barcelona dann die Unabhängigkeit und die "Katalanische Republik" aus. Madrid übernahm daraufhin die direkte Kontrolle über die halbautonome Region, setzte Puigdemont und dessen Regierung ab und schrieb Neuwahlen aus.

Der Wahlkampf war davon geprägt, dass die bekanntesten Kandidaten der Unabhängigkeitsbefürworter entweder im Exil oder in Haft sind. Puigdemont etwa, der mit der Liste Zusammen für Katalonien antritt, hatte mit Videoauftritten und über die sozialen Medien einen Wahlkampf aus der Ferne betrieben.

Der katalanische Ex-Vizepräsident Oriol Junqueras sitzt in Spanien hinter Gittern, tritt aber als Spitzenkandidat der Republikanischen Linkspartei ("Esquerra Republicana de Catalunya", ERC) an, die in den letzten Umfragen vor der liberalen Bürgerpartei Ciudadanos mit ihrer Spitzenkandidatin Inés Arrimadas lag, die gegen die Unabhängigkeit eintritt.

Bislang hatten die Befürworter einer katalanischen Unabhängigkeit die absolute Mehrheit im Parlament. Bei der Wahl am Donnerstag zeichnete sich bis zuletzt für keines der beiden Lager eine klare Mehrheit ab, was zu langwierigen Verhandlungen bei der Bildung der Regionalregierung führen könnte.

"Ich hoffe, dass die Republik gewinnt und dass wir den (Unabhängigkeits-)Prozess fortführen", sagte die Händlerin Anna Papiol in der Küstenstadt Calafell. Der Rentner Eduard Garrell aus der Stadt Vic bezeichnet das Streben nach Unabhängigkeit als Teil der "DNA der Katalanen". Die Telefonistin Gloria García aus Barcelona gab ihre Stimme hingegen den Gegnern einer katalanischen Unabhängigkeit. Die Einheit Spaniens müsse entschieden verteidigt werden, sagte die 57-Jährige.

Die Wahllokale in Katalonien schließen um 20.00 Uhr. Mit ersten einigermaßen aussagekräftigen Ergebnissen wird gegen 22.00 Uhr gerechnet.


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