18.12.2017, 20:06 Uhr

Istanbul (AFP) Deutsche Journalistin Tolu erleichtert über Freilassung aus türkischer Haft

Mesale Tolu nach ihrer Freilassung in Istanbul. Quelle: AFP/YASIN AKGUL (Foto: AFP/YASIN AKGUL)Mesale Tolu nach ihrer Freilassung in Istanbul. Quelle: AFP/YASIN AKGUL (Foto: AFP/YASIN AKGUL)

Tolu zu AFP: "Ich habe acht schwierige Monate durchgemacht"

Nach ihrer Entlassung aus türkischer Untersuchungshaft hat sich die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu erleichtert gezeigt. "Ich habe acht schwierige Monate durchgemacht", sagte sie am Montagabend der Nachrichtenagentur AFP in Istanbul. "Ich bin sehr glücklich, dass ich auf freiem Fuß bin." Die Freilassung sei für sie überraschend gekommen, weil sich in der Türkei "nicht immer das Recht durchsetzt". Ihre Behandlung durch die türkischen Behörden bezeichnete Tolu als "Skandal".

Die 33-Jährige hatte am Abend gemeinsam mit Ehemann, Sohn und Vater eine Polizeiwache in Istanbul verlassen, wie ein AFP-Reporter vom Ort des Geschehens berichtete. Sie begab sich zunächst in die Kanzlei ihres Anwalts. Tolu bedankte sich bei ihren Unterstützern und kündigte eine Erklärung für den späteren Abend an.

Auf der Polizeiwache in Istanbul war Tolu nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis vorübergehend festgehalten worden - offenbar wegen juristischer Unklarheiten. "Es war wie eine Entführung", berichtete sie gegenüber AFP. "Man hat mich von einer Polizeiwache auf die andere gebracht."

Nach Informationen der Linken-Bundestagsabgeordneten und Prozessbeobachterin Heike Hänsel hatte es wohl zwei widersprüchliche Anweisungen gegeben, weswegen sich die Freilassung verzögert habe: Neben dem gerichtlich verhängten Ausreiseverbot habe gleichzeitig auch eine Abschiebeanweisung nach Deutschland vorgelegen.

Ein Gericht in Istanbul hatte am Mittag die Entlassung der 33-jährigen deutschen Staatsbürgerin mit türkischen Wurzeln aus der Untersuchungshaft angeordnet - allerdings nur unter Auflagen: Sie müsse sich wöchentlich bei den Behörden melden und dürfe das Land nicht verlassen.

Das Gericht folgte damit einem Antrag der Staatsanwaltschaft. Tolu war "Terrorpropaganda" vorgeworfen worden. Auch fünf weitere Beschuldigte in demselben Verfahren kamen frei.


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