15.12.2017, 11:35 Uhr

Paris (AFP) Airbus-Chef Tom Enders tritt 2019 ab

Airbus-Chef Tom Enders. Quelle: AFP/Archiv/Aurore Belot (Foto: AFP/Archiv/Aurore Belot)Airbus-Chef Tom Enders. Quelle: AFP/Archiv/Aurore Belot (Foto: AFP/Archiv/Aurore Belot)

Geschäftsführer Brégier geht im Februar 2018

Inmitten der Korruptionsaffäre leitet der europäische Flugzeugbauer Airbus einen Führungswechsel ein: Airbus-Chef Tom Enders tritt mit Auslaufen seines Vertrags im April 2019 ab, wie der Konzern am Freitag mitteilte. Über die Nachfolge wird im kommenden Jahr entschieden. Auch die Nummer zwei bei Airbus geht: Geschäftsführer Fabrice Brégier wird im Februar durch den Chef der Helikoptersparte, Guillaume Faury, ersetzt.

Es geht um eine "geordnete Nachfolge auf oberster Führungsebene", erklärte Airbus nach einer Sitzung des Verwaltungsrats. Damit beendet der Konzern wochenlange Spekulationen über einen Abtritt von Enders, der zuletzt als Zeuge in der Schmiergeldaffäre vernommen worden war.

Die Justiz in Frankreich und Großbritannien ermittelt wegen des Verdachts der Bestechung ausländischer Beamter sowie Geldwäsche. Die Münchner Staatsanwaltschaft nimmt zudem den Verkauf von Eurofightern nach Österreich unter die Lupe, bei der es ebenfalls um mögliche Schmiergeldzahlungen geht. Zuletzt erklärte die Staatsanwaltschaft jedoch, es gebe wenige Hinweise auf Korruption.

Enders erklärte zu seinem Abgang von der Airbus-Spitze: "Es ist ein Privileg, diesem großartigen Unternehmen dienen zu dürfen. Dazu gehört auch die Verantwortung, für eine reibungslose Nachfolge zu sorgen, wenn die Zeit reif ist." Im kommenden Jahr will der Konzern nach eigenen Angaben "interne und externe Kandidaten" prüfen. Enders' Nachfolger soll dann 2019 durch die Jahreshauptversammlung bestätigt werden.

Der 56-Jährige Brégier erklärte, er wolle sich "Aufgaben außerhalb des Konzerns zuwenden" und sich nicht auf die Nachfolge von Enders bewerben. Der Franzose ist bereits seit 25 Jahren bei Airbus tätig und steht als Nummer zwei der Sparte für zivile Luftfahrt vor.

Enders galt bis zum Bekanntwerden der Schmiergeldaffäre als deutscher Vorzeigemanager auf europäischem Parkett: Er steht seit 2012 an der Spitze von Airbus. Der 59-Jährige, der seit seiner Bundeswehrzeit den Spitznamen "Major Tom" trägt, hat seit insgesamt zwölf Jahren verschiedene Führungspositionen bei Airbus und EADS inne, wie der Konzern bis 2013 hieß. Von 2005 bis 2012 war er zudem Präsident des Bundesverbands der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI).

Bei Airbus setzte er seit 2007 ein umfassendes Sanierungs- und Sparprogramm um. Erfolge feierte Airbus vor allem mit dem spritsparenden Mittelstreckenflieger A320neo, mit dem der Konzern auch den US-Rivalen Boeing aussticht. Erst am Donnerstag bestellte die US-Gesellschaft Delta Airlines hundert Airbus-Maschinen zum Listenpreis von 12,7 Milliarden US-Dollar (rund 10,8 Milliarden Euro), Boeing ging leer aus.

Probleme gibt es allerdings beim Riesen-Airbus A380, für den seit anderthalb Jahren die Bestellungen ausbleiben. Für Negativschlagzeilen sorgt auch weiter der Militärtransporter A400M mit seinen technischen Mängeln.

Durch solche Rückschläge ließ sich Enders bisher nicht entmutigen. Der gebürtige Westerwälder ist als zielstrebig und direkt bekannt, zuweilen auch als undiplomatisch. "Ich verbiege mich nicht", sagte Enders einmal. Nach seiner Zeit als Fallschirmjäger bei der Bundeswehr und einem Politik- und Volkswirtschafts-Studium in Bonn arbeitete er bis 1991 als Mitarbeiter im Planungsstab des Bundesverteidigungsministeriums.

Die Entwicklungen bei Airbus werden in Berlin, Paris und Madrid mit Argusaugen beobachtet: Deutschland und Frankreich halten jeweils gut elf Prozent der Airbus-Anteile, Spanien weitere gut vier Prozent.


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