14.12.2017, 17:03 Uhr

Berlin (AFP) Bericht: Razzia in Islamisten-Szene richtete sich gegen Kontaktmann von Anis Amri

Polizeistreife auf dem Berliner Breitscheidplatz. Quelle: AFP/Archiv/John MACDOUGALL (Foto: AFP/Archiv/John MACDOUGALL)Polizeistreife auf dem Berliner Breitscheidplatz. Quelle: AFP/Archiv/John MACDOUGALL (Foto: AFP/Archiv/John MACDOUGALL)

Verdächtiger soll am Tag des Weihnachtsmarktanschlags Attentäter getroffen haben

Die Razzia gegen mutmaßliche Islamisten in Berlin und Sachsen-Anhalt richtete sich einem Bericht zufolge auch gegen einen Kontaktmann des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri. Mindestens einer der Beschuldigten sei am Tag des Anschlags mit Amri zusammen gewesen, berichteten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Freitagsausgaben). Bei der Großrazzia vollstreckten rund 130 Beamte am Donnerstag neun Durchsuchungsbeschlüsse.

Die Ermittlungen richten sich gegen drei Männer im Alter von 18 bis 21 Jahren, die im November vergangenen Jahres von Berlin über die türkische Metropole Istanbul in die vom IS kontrollierten Gebiete im Bürgerkriegsland Syrien gefahren sein sollen. Den Strafverfolgungsbehörden zufolge hält sich das Trio vermutlich nach wie vor dort auf.

Einer von ihnen soll dort auch eine militärische Ausbildung erhalten haben. Gegen sie wird wegen Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung und Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermittelt. Im Visier steht zudem ein vierter Beschuldigter. Ihm wird Beihilfe vorgeworfen, weil er die anderen zum Flughafen fuhr.

Bei den Durchsuchungen in Berlin und Sachsen-Anhalt waren auch Spezialkräfte im Einsatz. Sie beschlagnahmten demnach Beweismittel, insbesondere digitale Speichermedien.

Mindestens einer der Männer, deren Berliner Wohnungen von der Polizei durchsucht wurden, hatte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland zufolge am Tag des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt vor einem Jahr Kontakt zum Attentäter Amri. Das gehe aus Ermittlungsakten der Generalbundesanwaltschaft und des Bundeskriminalamtes hervor.

Demnach ging der Verdächtige Walid S. am Nachmittag des 19. Dezember 2016 eine halbe Stunde lang mit Amri im Berliner Stadtteil Wedding spazieren. Im Anschluss suchten sie gemeinsam mit einem weiteren tunesischen Landsmann die Masjid-Al-Ummah-Moschee, einen Imbiss sowie für eine Viertelstunde auch den Alexanderplatz auf, Letzteres nur rund drei Stunden vor dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz. Walid S. sei zudem anderthalb Stunden nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz gesehen worden.

Bei dem Anschlag am 19. Dezember 2016 hatte der Tunesier Amri einen Laster über den Weihnachtsmarkt gesteuert. Zwölf Menschen starben, etwa 70 weitere wurden verletzt. Es war der bislang schwerste islamistisch motivierte Anschlag in Deutschland. Den Lastwagen hatte Amri zuvor entführt, wobei er dessen Fahrer tötete.


0 Kommentare