14.12.2017, 10:12 Uhr

Düsseldorf (AFP) Erstmals mehr als 20.000 Geburten nach künstlicher Befruchtung

Kinderwunschbehandlung für viele Paare letzte Möglichkeit. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Arno Burgi (Foto: dpa/AFP/Archiv/Arno Burgi)Kinderwunschbehandlung für viele Paare letzte Möglichkeit. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Arno Burgi (Foto: dpa/AFP/Archiv/Arno Burgi)

Fast 65.000 Frauen unterzogen sich im vergangenen Jahr Behandlung

Im Jahr 2015 sind in Deutschland erstmals mehr als 20.000 Kinder nach einer künstlichen Befruchtung geboren worden. Insgesamt kamen 20.880 im Reagenzglas gezeugte Kinder lebend zur Welt, wie das Deutsche IVF-Register am Donnerstag in Düsseldorf mitteilte. 2014 waren es etwa 19.800 und 2005 erst rund 10.600 lebend geborene Kinder.

Bei einer In-vitro-Fertilisation (IVF) werden einer Frau nach einer Hormonbehandlung reife Eizellen entnommen und im Labor mit Spermien befruchtet. Nach wenigen Tagen werden der Frau die befruchteten Eizellen wieder eingepflanzt. Erstmals kam in Deutschland 1982 ein auf diese Weise gezeugtes Kind auf die Welt.

Das IVF-Register sammelt Daten aus nahezu allen deutschen Kinderwunschzentren. Mittlerweile gibt es Daten von mehr als 1,6 Millionen Behandlungen und mehr als 250.000 geborenen Kinder in Deutschland.

Im vergangenen Jahr wurden mehr als 100.000 Behandlungen vorgenommen, um Eizellen zu gewinnen und Embryonen in die Gebärmutter einzusetzen. Insgesamt wurden fast 65.000 Frauen behandelt.

Bei mehr als einem Viertel der Behandlungen wurde 2016 die Eizelle oder der Embryo aus dem tiefgefrorenen Zustand aufgetaut und eingesetzt. Die Chancen für eine Schwangerschaft lagen in diesen Fällen bei 27 Prozent.

Wurde ein Embryo direkt nach der Zeugung im Reagenzglas eingesetzt, lag die Erfolgsquote bei rund 32 Prozent. Drei von vier Schwangerschaften mündeten in eine Geburt. In jeder fünften Schwangerschaft kam es allerdings zur Fehlgeburt.

Die Chancen, nach einer künstlichen Befruchtung ein Kind zu bekommen, sind stark vom Alter der Mutter abhängig. Bei einer 35-jährigen Frau lagen sie bei 27 Prozent, bei einer 40-Jährigen bei 15 Prozent und bei einer 44-Jährigen nur noch bei gut drei Prozent.

Wird zudem nur ein einzelner, gesunder Embryo übertragen, ist Chance für die Geburt eines gesunden und gut entwickelten Kinds höher als nach der Einpflanzung von zwei oder gar von drei Embryonen. Nach der Einpflanzung von zwei Embryonen ist die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft zwar höher. Es treten aber häufiger Mehrlingsschwangerschaften und Komplikationen einschließlich Frühgeburten auf.

In Deutschland verbietet das Embryonenschutzgesetz generell die Erzeugung überzähliger Embryonen. Wenn eine erste Kinderwunschbehandlung nicht erfolgreich ist, kann daher nicht auf weitere eingefrorene Embryonen zurückgegriffen werden.

Ärzte fordern in Deutschland daher seit langem die Überarbeitung des Embryonenschutzgesetzes. Damit könnten die Rate an gesunden Einzelkindern, die nach künstlicher Befruchtung geboren werden, deutlich verbessert und die Zahl der Fehl- und Frühgeburten verringert werden, argumentieren die Mediziner.


0 Kommentare