14.12.2017, 16:42 Uhr

Berlin (AFP) Fast alle Niki-Kunden sollen laut Insolvenzverwalter entschädigt werden

Niki-Flieger am Boden. Quelle: AFP/Archiv/JOHN MACDOUGALL (Foto: AFP/Archiv/JOHN MACDOUGALL)Niki-Flieger am Boden. Quelle: AFP/Archiv/JOHN MACDOUGALL (Foto: AFP/Archiv/JOHN MACDOUGALL)

Tickets von mehr als 400.000 Flugreisenden verfallen trotzdem

Nach der Pleite des österreichischen Ferienfliegers Niki haben die meisten Passagiere Glück im Unglück: Fast alle Flugreisenden sollen den gezahlten Flugpreis zurückerhalten oder umgebucht werden, wie der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther am Donnerstag mitteilte. Allerdings müssen sich tausende Passagiere im Ausland jetzt um ihren Rückflug kümmern.

Der Verkauf von Niki an die Lufthansa war gescheitert - es gibt nach Angaben aus Österreich aber "drei bis vier" andere Interessenten. Dazu gehört der Gründer der Airline, Ex-Rennfahrer Niki Lauda. Am Donnerstag kündigte auch der britische Reiseveranstalter Thomas Cook an, eine Übernahme von Teilen des österreichischen Ferienfliegers zu prüfen.

Nach der Air-Berlin-Pleite wollte die Lufthansa den Ferienflieger kaufen und hielt ihn mit zehn Millionen Euro pro Woche in der Luft. Niki flog mit rund 20 Maschinen Ziele in Nordafrika und Südeuropa an, vor allem Mallorca.

Die Lufthansa verzichtete aber am Mittwoch wegen der starken Wettbewerbsbedenken der EU-Kommission auf den Kauf. Niki beantragte umgehend Insolvenz und stellte den Flugbetrieb ein.

In den kommenden zwei Wochen würden rund 5000 Niki-Reisende ohne Rückflug dastehen, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Wien. Insolvenzverwalter Flöther erklärte, knapp 40.000 Passagiere hätten bis zum 31. Dezember den Heimflug mit Niki geplant. Rund 15.500 von ihnen hätten selbst gebucht - rund 25.500 über Reiseveranstalter und Reisebüros.

Alle ausgestellten und bezahlten Niki-Flugtickets haben ihre Gültigkeit verloren. Doch die Käufer können offenbar darauf hoffen, nicht auf ihren Kosten sitzenzubleiben

- wie sonst häufig bei Insolvenzen - auf ihren Kosten sitzen zu bleiben. Laut einem Sprecher Flöthers gibt es nämlich aus dem Insolvenzverfahren der Niki-Muttergesellschaft Air Berlin ein Treuhandkonto, auf dem die Ansprüche der Tochtergesellschaft gesichert wurden. Dieses Geld werde nun verwendet, um voraussichtlich fast alle Kunden zu entschädigen.

Die Inhaber von 200.000 noch ausgestellten Einzel-Tickets bekommen den Kaufpreis demnach voll erstattet, sofern sie die Flug-Scheine nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin Mitte August gebucht haben. Hinzu kommen 210.000 über Reiseveranstalter und Reisebüros gebuchte Tickets, bei denen die Veranstalter für Ersatz sorgen müssen.

Deren Branchenverband erklärte, die Veranstalter täten alles, damit die Reisenden ihren Weihnachtsurlaub antreten können und alternative Rückreisemöglichkeiten haben. Für gestrandete Individualreisende im Ausland kündigten die deutschen Fluggesellschaften an, kurzfristig Sonderkonditionen für noch verfügbare Sitzplätze in Rückflügen anzubieten.

Die Insolvenz von Niki ist nach der des Mutterkonzerns Air-Berlin sowie der britischen Linie Monarch die dritte in diesem Herbst. Verbraucherschützer fordern deshalb Konsequenzen: "Airlines sollten gesetzlich verpflichtet werden, eine Insolvenzversicherung zugunsten der vorausbezahlten Kundengelder abzuschließen", erklärte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller.

Ungewiss ist derzeit auch, was mit den rund tausend Niki-Mitarbeitern passiert. Rund 210 sind in Deutschland und rund 790 in Österreich angestellt. Flöther erklärte, es gebe "noch ein paar Tage Zeit, trotzdem einen Investor für Niki zu finden". Er werde umgehend Gespräche mit infrage kommenden Investoren aufnehmen, um einen möglichst großen Teil der Arbeitsplätze zu erhalten. Sein Plan ist, einzelne Teile des Geschäftsbetriebs zu verkaufen statt das komplette Unternehmen.

Der Vorsitzende der österreichischen Gewerkschaft der Privatangestellten, Wolfgang Katzian, sagte am Donnerstag im österreichischen Rundfunk, es gebe "drei bis vier Interessenten". Der ehemalige Formel-1-Weltmeister Niki Lauda sagte dem Radiosender Ö1 am Donnerstag, das Insolvenzverfahren habe den Deal "komplizierter" gemacht.


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