13.12.2017, 20:25 Uhr

Berlin (AFP) Niki stellt Flugbetrieb nach gescheiterter Übernahme durch Lufthansa ein

Auch Niki stellt Insolvenzantrag. Quelle: AFP/JOHN MACDOUGALL (Foto: AFP/JOHN MACDOUGALL)Auch Niki stellt Insolvenzantrag. Quelle: AFP/JOHN MACDOUGALL (Foto: AFP/JOHN MACDOUGALL)

Air Berlin-Tochter stellt Insolvenzantrag - Niki Lauda bekräftigt Interesse

Nach Air Berlin bleibt auch der Ferienflieger Niki am Boden: Als Reaktion auf den Verzicht der Lufthansa auf eine Übernahme der Air Berlin-Tochter hat Niki am Mittwoch Insolvenzantrag gestellt und ein Ende des Flugbetriebs bereits ab Donnerstag angekündigt. Air Berlin erklärte, Niki werde "zunächst keine weiteren Flüge durchführen". Ex-Rennfahrer und Firmengründer Niki Lauda bekräftigte sein Interesse an der Airline.

Eine Berliner Justizsprecherin bestätigte den Eingang eines Insolvenzantrags der Niki Luftfahrt GmbH beim Amtsgericht Charlottenburg am späten Nachmittag. Das Gericht müsse nun prüfen, ob der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zulässig sei.

Zuvor hatte die Lufthansa ihren Verzicht auf Niki mit den zu harten Auflagen der EU-Wettbewerbshüter begründet. Die Lufthansa wollte große Unternehmensteile der insolventen Air Berlin kaufen, die EU-Kommission meldete aber fortlaufend Bedenken gegen die daraus entstehende Marktmacht der deutschen Nummer eins an und forderte Zugeständnisse.

Brüssel habe alle bisherigen Zugeständnisse als nicht ausreichend beurteilt und "klar signalisiert", dass eine Übernahme von Niki derzeit nicht genehmigungsfähig sei, erklärte die Lufthansa. Daher werde eine Übernahme des Ferienfliegers "nicht weiterverfolgt". Air Berlin teilte mit, nun "Verwertungsalternativen" für den Ferienflieger zu prüfen.

Daraufhin meldete der frühere Rennfahrer und Unternehmer Lauda Interesse an der einst von ihm gegründeten Fluggesellschaft an. "Ich bin interessiert und würde mich darum kümmern", sagte Lauda der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Lauda hatte schon zuvor im Rahmen einer Bietergemeinschaft Interesse an der Air-Berlin-Tochter signalisiert, war aber gescheitert.

Auf der Website von Niki hieß es, mehrere Fluggesellschaften würden derzeit "eine Rückholaktion" aus dem Ausland nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz organisieren. Dies gelte für Passagiere, die direkt bei Niki gebucht hätten. Reisende, die ihren Flug über einen Reiseveranstalter gebucht hätten, sollten sich mit diesem in Verbindung zu setzen.

Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, die Bundesregierung bedaure das Scheitern der Übernahme von Niki sehr. Durch den "unerwarteten Ausfall der Erlöse aus dem Niki-Verkauf" könne der vom Bund verbürgte staatliche Überbrückungskredit an Air Berlin "möglicherweise nur zum Teil zurückgezahlt werden", erklärte Seibert.

"Eine vollständige Rückzahlung des KfW-Kredits ist unwahrscheinlicher geworden", erklärte auch der Generalbevollmächtigte der Air Berlin, Frank Kebekus. Er kritisierte die Position der EU als "nicht nachvollziehbar". Das Scheitern des Niki-Verkaufs und die Insolvenz von Niki seien "höchst ärgerlich" und wären "vermeidbar gewesen".

Am Dienstag hatte Air Berlin mitgeteilt, dass die Lufthansa nunmehr die einzige Interessentin an Niki sei. Demnach zog der British-Airways-Mutterkonzern IAG sein Interesse zurück und auch von dem Bieterkonsortium um den Reiseveranstalter Thomas Cook gebe es kein tragfähiges Angebot.

Die EU-Kommission drückte ihr "Bedauern" über den Rückzug der Lufthansa aus und erklärte, dies sei nicht die einzig mögliche Option gewesen. Gleichwohl hielten die Wettbewerbshüter daran fest, dass die ursprünglichen Pläne der Lufthansa, nämlich die Übernahme von 81 der 140 Air-Berlin-Maschinen plus Niki, problematisch gewesen wären.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb wurde bis Ende Oktober dank eines staatlichen Überbrückungskredits in Höhe von 150 Millionen Euro aufrecht erhalten.


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