13.12.2017, 15:43 Uhr

Berlin (AFP) Verkehrsclub VCD fordert von Bahn und Bund Aufklärung zu Stuttgart 21

Baustelle in Stuttgart. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Sebastian Gollnow (Foto: dpa/AFP/Archiv/Sebastian Gollnow)Baustelle in Stuttgart. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Sebastian Gollnow (Foto: dpa/AFP/Archiv/Sebastian Gollnow)

Umstrittenes Bauprojekt Thema bei Aufsichtsratssitzung der Bahn

Der ökologische Verkehrsclub VCD hat von der Deutschen Bahn und der Bundesregierung Aufklärung zum Bauprojekt Stuttgart 21 gefordert. Beide Seiten müssten erklären, "woher sie die Sondermittel für die Mehrkosten nehmen", forderte VCD-Bahnexperte Philipp Kosok am Mittwoch anlässlich der Aufsichtsratssitzung der Bahn in Berlin. Der Konzern bat unterdessen seine Kunden angesichts der vielen Verspätungen und Zugausfälle der vergangenen Tagen um Entschuldigung.

Der VCD forderte, die "Kostenexplosion" bei Stuttgart 21 dürfe auf keinen Fall dazu führen, "dass die wirklich dringenden Investitionen in das Schienennetz aufgeschoben werden". Berichten zufolge wird das umstrittene Bahnprojekt teurer als angenommen und dauert länger als geplant. Demnach geht die Bahn von einer Erhöhung des Kostenrahmens von 6,5 Milliarden Euro auf 7,6 Milliarden Euro aus. Mit einer Fertigstellung wird demnach bis Ende 2024 statt 2023 gerechnet.

Näheres zu Stuttgart 21 sollte am Mittwoch bei der Aufsichtsratssitzung der Bahn besprochen werden. Die Sitzung dauerte am Nachmittag zunächst weiter an, wie ein Sprecher sagte.

Stuttgart 21 sei "von Anfang an ein absolut fragwürdiges Projekt" gewesen, kritisierte der VCD, und zwar "viel zu teuer" und ohne einen "wesentlichen Nutzen". Statt weiterer Gelder für das Projekt seien Investitionen in überlastete Bahnknoten, alte Eisenbahnbrücken und Regionalbahnen nötig, forderte der Verkehrsclub.

Der Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, Eisenhart von Loeper, kritisierte die Informationspolitik der Bahn. Statt die Öffentlichkeit vollständig zu informieren, lasse der Konzern die Öffentlichkeit mit "minimalen Infohäppchen" im Dunkeln", erklärte er. Deshalb habe er vor einer Woche Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) in einem Brief aufgefordert, dafür zu sorgen, "dass die Fakten endlich auf den Tisch kommen".

Die Bahn bedauerte unterdessen die Verspätungen und Pannen, die dem Konzern in den vergangenen Tagen massive Kritik beschert hatten. "Ich möchte mich bei allen betroffenen Fahrgästen entschuldigen", erklärte Fernverkehrsvorstand Birgit Bohle. Die Verkehrslage habe sich in den vergangenen Tagen aber kontinuierlich stabilisiert.

Grund für die Probleme auf der Schnellstrecke zwischen Berlin und München waren demnach auch "mehrere Einzelprobleme" mit dem Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System). Zu keiner Zeit habe es aber ein Sicherheitsproblem gegeben. Die Systeme hätten bei Störungen wie vorgesehen eine Bremsung eingeleitet. Gemeinsam mit dem Systemhersteller Alstom arbeite die Bahn mit Hochdruck an der Fehlerbeseitigung.

Im Vorfeld habe es hunderte Testfahrten mit Lokführern gegeben, erklärte der Konzern. Die Lokführer seien "intensiv geschult" worden. Der Chef der Lokführergewerkschaft (GDL), Claus Weselsky, hatte der Bahn zuvor eine unzureichende Vorbereitung auf den Start der Neubaustrecke vorgeworfen. "Unsere Lokführer tun ihr Bestes", sagte Weselsky den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Es hat aber keinen Probebetrieb für sie gegeben."

Für Reisende auf der Schnellstrecke Berlin-München kündigte die Bahn unterdessen eine spezielle Regelung an. Hat der Zug eine Verspätung von mehr als einer Stunde, bekommen die Fahrgäste den vollen Ticketpreis erstattet, sowie zusätzlich einen Reisegutschein von 50 Euro. Diese Regel gilt bis Ende des Jahres.


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