12.12.2017, 17:56 Uhr

Wien (AFP) Ein Toter und 21 Verletzte bei Explosion in Österreichs größtem Gasterminal

Explosion in der Gasstation in Baumgarten in Österreich. Quelle: AFP/Tomas HULIK (Foto: AFP/Tomas HULIK)Explosion in der Gasstation in Baumgarten in Österreich. Quelle: AFP/Tomas HULIK (Foto: AFP/Tomas HULIK)

Engpässe bei Gaslieferungen nach Süden - Deutschland nicht betroffen

Bei einer Explosion in Österreichs größtem Erdgasterminal sind am Dienstag ein Mensch getötet und 21 weitere verletzt worden. Die Polizei geht von einem technischen Fehler aus. Wegen drohender Engpässe bei der Gasversorgung rief Italien den Notstand aus. In Deutschland ist die Versorgungslage nicht gefährdet, die Gaspreise legten aber kräftig zu.

Nach Angaben der österreichischen Polizei ereignete sich die Explosion in der Gasstation Baumgarten nahe der Grenze zur Slowakei um 08.45 Uhr. Dies löste demnach einen Großbrand aus, der aber rasch wieder unter Kontrolle gebracht wurde. Ursache soll ein technischer Fehler gewesen sein. Ein Ermittlungsverfahren sei eingeleitet worden.

Laut Polizei wurde ein Mensch getötet, 21 weitere wurden verletzt. Ein Schwerverletzter wurde auf dem Luftweg ins Krankenhaus nach Wien gebracht, Lebensgefahr bestand demnach nicht.

Das Gasterminal Baumgarten deckt rund ein Zehntel des europäischen Verbrauchs. Da die Anlage in Österreich schwer beschädigt worden sei, könnte es in Kroatien und Italien zu Engpässen kommen, sagte ein Sprecher des Betreibers Gas Connect, Armin Teichert.

"Die Gasversorgung italienischer Verbraucher wird in jedem Fall gesichert werden", teilte das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung in Rom mit. Dennoch wurde in Italien der Gas-Notstand ausgerufen, derweil sollen Rückgänge bei den Importen durch nationale Reserven kompensiert werden. Die Regierung überwache zusammen mit den Anbietern die Lage.

Die Lieferungen nach Deutschland seien jedoch nicht betroffen, teilte der Energiekonzern Eon mit. Der russische Energieriese Gazprom als einer der Hauptlieferanten des Terminals versprach, alles zu unternehmen, um die Versorgung seiner Kunden sicherzustellen.

Die Gaspreise zogen bereits kräftig an. An der Londoner Börse seien sie bis mittags bereits um über 20 Prozent gestiegen und hätten so den höchsten Stand seit Dezember 2013 erreicht, wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtete.

Österreichs Präsident Alexander Van der Bellen sprach via Facebook den Angehörigen des Verstorbenen sein Beileid aus. Den Verletzten wünschte er rasche Genesung.

Örtlichen Medienberichten zufolge waren am Unglücksort mehr als 200 Feuerwehrleute und Rettungshelfer sowie mehrere Hubschrauber im Einsatz. Bis zum Vormittag waren alle Flammen gelöscht und die Anlage geräumt und gesichert. Doch nach wie vor hingen Rauchschwaden über ihr, berichtete ein AFP-Reporter. Einige parkende Autos wirkten wie durch die Hitze geschmolzen.

"Ich hörte eine enorme Explosion und dachte zuerst, ein Flugzeug sei abgestürzt", berichtete der Fotograf Thomas Hulik, der in einem slowakischen Nachbardorf lebt. "Dann sah ich einen riesigen Feuerball", fügte er hinzu.

Die Gasanlage Baumgarten ist seit 1959 in Betrieb. Heute ist sie Österreichs größtes Verteilerzentrum für Erdgasimporte aus Russland, Norwegen und anderen Ländern. Außer nach Österreich geht das Erdgas über Transit-Pipelines auch nach Deutschland, Italien, Frankreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn.


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