11.12.2017, 16:25 Uhr

Istanbul (AFP) Mutmaßlicher "Reina"-Attentäter in Istanbul vor Gericht

Blumen für die Opfer des Anschlags auf das "Reina". Quelle: AFP/Archiv/OZAN KOSE (Foto: AFP/Archiv/OZAN KOSE)Blumen für die Opfer des Anschlags auf das "Reina". Quelle: AFP/Archiv/OZAN KOSE (Foto: AFP/Archiv/OZAN KOSE)

Verfahren zu Anschlag in der Neujahrsnacht begonnen

Fast 40 Menschen starben in der vergangenen Neujahrsnacht im Istanbuler Nachtclub "Reina" im Kugelhagel - nun hat der Prozess zu dem Anschlag begonnen. Vor dem Gericht im Gefängnis von Silivri müssen sich der mutmaßliche Attentäter Abdulkadir Mascharipow sowie 56 mutmaßliche Komplizen verantworten. Zu dem Anschlag, der die Türkei kurz nach dem Jahreswechsel erschüttert hatte, bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Bei dem Prozessbeginn machte Mascharipow vom Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern, wie eine AFP-Reporterin berichtete. Der Usbeke hatte nach seiner Festnahme die Tat gestanden. Ihm drohen wegen "Mordes", "Mitgliedschaft in einer Terrororganisation" und "Versuchs zum Umsturz der verfassungsmäßigen Ordnung" bis zu 40 Mal lebenslang.

Unter den Mitangeklagten ist auch seine Ehefrau Sarina Nurullajewa. Sie versicherte, sie habe nie eine Verbindung zu Terrorgruppen gehabt und sei eine Frau gewesen, "die sich um ihre Kinder kümmert und im Schatten ihres Mannes bleibt". Ihr Mann habe einige Tage vor Silvester das Haus verlassen. Dass er den Anschlag verübt habe, habe sie erst bei ihrer Festnahme erfahren.

Ihrer Aussage zufolge holten zwei Tage vor ihrer Festnahme zwei Männer ihren Sohn Mohammed ab. Seitdem habe sie keine Nachricht von ihm. Mascharipow sagte an dieser Stelle, er habe Abu Dschihad gebeten, Mohammed nach Syrien zu nehmen, da er bei ihm nur "Lärm" machen würde. Abu Dschihad ist der Deckname des mutmaßlichen Drahtziehers Islam Atabajew bei der IS-Miliz.

Der Attentäter hatte kurz nach Mitternacht den schicken Nachtclub am Bosporus-Ufer gestürmt und 39 Menschen erschossen und 79 weitere verletzt. Die meisten Opfer waren arabische Touristen, die dort Silvester feierten. Erst als dem Schützen die Munition ausging, ergriff er die Flucht, nahm ein Taxi und tauchte unter. Erst nach zweiwöchiger Suche wurde er in einer Wohnung in Istanbul gefasst.

Die IS-Miliz bekannte sich in einer Erklärung zu dem Anschlag. Es war das erste Mal, dass die Extremistengruppe ein Attentat in der Türkei für sich beanspruchte, auch wenn ihr wiederholt Angriffe in Istanbul zugeschrieben worden waren. So wurde sie für den Anschlag auf eine deutsche Reisegruppe im Januar 2016 und einen Angriff auf den Atatürk-Flughafen im Juni 2016 verantwortlich gemacht.

Dass sich Mascharipow anders als andere IS-Attentäter weder bei dem Anschlag noch bei seiner Festnahme in die Luft sprengte, führte zu Spekulationen, dass er die Tat für Geld verübt habe. Bei seiner Festnahme in einer Wohnung am westlichen Rand von Istanbul waren mehrere Frauen anwesend. Die meisten der Mitangeklagten sind Ausländer, bis auf sechs sind sie alle in U-Haft.

"Unsere Erwartungen an die türkische Justiz sind enorm", sagte die Anwältin der Angehörigen eines französisch-tunesischen Paars, das bei dem Anschlag getötet worden war. Die Hinterbliebenen der Opfer wollten die genauen Umstände des Anschlags und der Netzwerke dahinter kennen, sagte Samia Maktouf. Die Ermittlungen hätten nur teilweise Licht ins Dunkel bringen können.


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