10.12.2017, 15:05 Uhr

Jerusalem (AFP) Proteste gegen Trumps Jerusalem-Entscheidung werden schärfer


Erdogan: Israel ein "terroristischer Staat" - Papst: Jerusalem-Status erhalten

Die Proteste gegen die Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump werden schärfer: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete Israel am Sonntag als "terroristischen Staat", der "Kinder tötet". Papst Franziskus nannte es "absolut notwendig", den derzeitigen Status von Jerusalem zu erhalten. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warf den Europäern wegen ihrer Kritik an der US-Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels "Scheinheiligkeit" vor. Weltweit dauerten die Demonstrationen gegen Trumps Entscheidung an.

Erdogan sagte bei einer Rede im zentraltürkischen Sivas: "Palästina ist ein unschuldiges Opfer (...) Was Israel anbelangt, das ist ein terroristischer Staat!" Er werde "mit allen Mitteln und bis zum Letzten" gegen die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels kämpfen.

Der Papst erklärte, es sei eine wohl bekannte Position des Vatikans, dass der Status Jerusalems aufrecht erhalten werden müsse. Jerusalem sei eine "Heilige Stadt für Juden, Christen und Muslime auf der ganzen Welt". Das katholische Kirchenoberhaupt bekräftigte seinen Aufruf vom Mittwoch, in der Jerusalem-Frage müssten "alle" mit "Besonnenheit und Vorsicht" agieren.

Während die Europäer Donald Trump kritisierten, weil er Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt habe, seien ihm keine "Verurteilungen" aus Europa von palästinensischen Raketenabschüssen auf israelisches Gebiet bekannt geworden, erklärte Netanjahu. "Obwohl ich Europa respektiere, bin ich nicht bereit, von dieser Seite Doppelmoral hinzunehmen", sagte Netanjahu, der am Sonntag in Paris zu Besuch war. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hatte Trumps Jerusalem-Entscheidung mit den Worten kritisiert, der neue Kurs könne "uns in noch dunklere Zeiten zurückzuschicken als die, in denen wir bereits leben".

Die internationale Gemeinschaft favorisiert eine Einigung zwischen Israel und den Palästinensern auf eine Zwei-Staaten-Lösung, bei der Israel Jerusalem als seine Hauptstadt beanspruchen könnte, die Palästinenser aber zugleich das Recht erhielten, den von Israel besetzten Ostteil der Stadt zu ihrer Hauptstadt zu erklären.

Die teils gewaltsamen Demonstrationen gegen Trumps Entscheidung dauerten derweil an. Bis zum Sonntag wurden dabei vier Palästinenser von israelischen Sicherheitskräften getötet. Nach Angaben palästinensischer Gesundheitsdienste wurden seit Donnerstag bei Auseinandersetzungen mit israelischen Sicherheitskräften im Gazastreifen, Ost-Jerusalem und dem Westjordanland mindestens 1100 Menschen verletzt.

Die Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas rief zu weiteren Protesten auf. Die Palästinenser sollten die "Konfrontation aufrechterhalten und auf alle Punkte ausweiten, an denen die israelische Armee präsent ist", hieß es in dem Aufruf des Palästinenserpräsidenten. Er sagte ein Treffen mit US-Vizepräsident Mike Pence ab.

Ein Palästinenser stach am Sonntag in Jerusalem einen israelischen Wachmann nieder. Der 24-Jährige aus dem Westjordanland habe sein Opfer am Zentralen Busbahnhof der Stadt angegriffen und schwer verletzt, teilte die Polizei mit. Sie sprach von einem "Terrorangriff". Der Angreifer wurde verletzt festgenommen.

Trumps Entscheidung löste auch in anderen Ländern heftige Proteste aus. Zehntausende Menschen gingen in muslimischen Ländern auf die Straße, darunter Jordanien, die Türkei, Marokko, Pakistan und Malaysia.

Bei einer Kundgebung vor der US-Botschaft in Berlin mit bis zu 1200 Demonstranten wurden nach Polizeiangaben am Freitagabend zwei israelische Fahnen verbrannt. Die Polizei teilte später via Twitter mit, es habe "zehn Freiheitsentziehungen und zwölf Strafanzeigen" gegeben, unter anderem wegen des Verbrennens von Israel-Fahnen.

Die Arabische Liga kündigte an, den UN-Sicherheitsrat für eine Resolution anrufen zu wollen, in welcher die US-Entscheidung als Verletzung internationalen Rechts verurteilt werden solle. Bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats in New York waren die USA am Freitag weitgehend isoliert.


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