10.12.2017, 18:16 Uhr

Oslo (AFP) Nobelpreise bei Zeremonien in Oslo und Stockholm übergeben

Fihn (R) und Thurlow (M) nahmen den Preis entgegen. Quelle: AFP/Odd ANDERSEN (Foto: AFP/Odd ANDERSEN)Fihn (R) und Thurlow (M) nahmen den Preis entgegen. Quelle: AFP/Odd ANDERSEN (Foto: AFP/Odd ANDERSEN)

Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen erhält Friedensnobelpreis

Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican) hat am Sonntag den Friedensnobelpreis verliehen bekommen. Ican-Direktorin Beatrice Fihn nahm die Auszeichnung bei der feierlichen Zeremonie im Rathaus von Oslo gemeinsam mit einer Überlebenden des US-Atombombenabwurfs auf Hiroshima, der 85-jährigen Japanerin Setsuko Thurlow, entgegen. In der schwedischen Hauptstadt Stockholm wurden unterdessen die anderen Nobelpreise verliehen.

Thurlow hielt eine bewegende Ansprache, in der sie an den US-Atombombenangriff auf Hiroshima im August 1945 erinnerte. "Mit einer Bombe wurde meine geliebte Stadt ausgelöscht. Die meisten ihrer Einwohner waren Zivilisten, die verbrannten, verdampften, verkohlten - unter ihnen Mitglieder meiner eigenen Familie und 351 meiner Schulfreunde", sagte Thurlow. In den folgenden Monaten und Jahren seien tausende weitere Menschen durch die Strahlungen getötet worden.

Die Vorsitzende des norwegischen Nobel-Komitees, Berit Reiss-Andersen, sagte mit Blick auf die Situation in Nordkorea, viele Menschen hätten den Eindruck, die Gefahr eines Atomkrieges sei derzeit größer als seit langer Zeit. Die Botschaft von Ican treffe daher auf das Interesse von "Millionen Menschen".

Bei ihrer Dankesrede warnte Ican-Direktorin Fihn mit Blick auf bestimmte Staatenlenker davor, dass das Ende der Menschheit nur einen "Wutanfall" entfernt sein könnte. "Wird dies das Ende der Atomwaffen sein oder wird es unser Ende sein", fragte sie. Fihn nannte die weltweite Abschaffung von Atomwaffen die "einzige rationale Handlungsoption".

Vor der Zeremonie hatte sie vor einer "extrem gefährlichen Situation" in Nordkorea gewarnt. Fihn bezeichnete US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un als Menschen, die über "das Ende der Welt" entscheiden könnten.

Ican forderte die Bundesregierung auf, sich "auch im Sicherheitsinteresse Deutschlands endlich von der Abschreckung und der gefährlichen Eskalationspolitik" von Trump zu lösen und dafür zu sorgen, dass die Atomwaffen aus Deutschland abgezogen werden. Es sei eine "Schande", dass Deutschland den UN-Vertrag zum weltweiten Verbot atomarer Waffen boykottiere, kritisierte Sascha Hach aus dem Vorstand von Ican Deutschland in einer Erklärung vom Sonntag.

Die 2007 als Zusammenschluss von mehr als 300 Nichtregierungsorganisationen gegründete Ican hatte sich maßgeblich für den von 122 UN-Staaten unterzeichneten Vertrag zum Verbot von Atomwaffen eingesetzt. Die neun Atommächte haben den Vertrag allerdings nicht unterzeichnet. Entgegen der Tradition waren die drei Atommächte Großbritannien, Frankreich und die USA bei der Preisverleihung nicht mit ihren Botschaftern anwesend.

Ican war der Nobelpreis Anfang Oktober zugesprochen worden. Die Kampagne mache auf die "katastrophalen humanitären Folgen" von Atomwaffen aufmerksam und versuche mit "bahnbrechenden Bemühungen", ein Verbot solcher Waffen auf Basis eines Vertrags zu erreichen, hieß es damals in der Begründung.

Unterdessen verlieh der schwedische König Carl XVI. Gustaf in Stockholm die Nobelpreise für Literatur, Physik, Chemie, Medizin und Wirtschaftswissenschaften. Die elf anwesenden Preisträger nahmen bei der Zeremonie in der schwedischen Hauptstadt ihre Auszeichnungen entgegen.


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