09.12.2017, 20:59 Uhr

Bagdad (AFP) Al-Abadi verkündet "Ende des Kriegs gegen den IS" im Irak

IS-Logo in Iraks Provinz al-Anbar. Quelle: AFP/Archiv/AHMAD AL-RUBAYE (Foto: AFP/Archiv/AHMAD AL-RUBAYE)IS-Logo in Iraks Provinz al-Anbar. Quelle: AFP/Archiv/AHMAD AL-RUBAYE (Foto: AFP/Archiv/AHMAD AL-RUBAYE)

USA begrüßen Sieg über Dschihadisten nach mehr als drei Jahren Kampf

Nach mehr als drei Jahren der Kämpfe hat die irakische Regierung den vollständigen Sieg über die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) erklärt. Die Streitkräfte hätten die Kontrolle über die Grenze zu Syrien vollständig zurückerobert "und daher verkünde ich das Ende des Krieges gegen Daesch", sagte Ministerpräsident Haider al-Abadi am Samstag in Bagdad. Die USA begrüßten das Ende der "abscheulichen Besatzung" durch den IS.

"Daesch" ist das arabische Kürzel für IS. "Unser Feind hat unsere Kultur auslöschen wollen", sagte al-Abadi weiter. "Wir haben ihn in kurzer Zeit besiegt."

Das US-Außenministerium begrüßte, dass die "letzten Überbleibsel" des selbsternannten "Kalifats" im Irak zerstört und die Menschen in diesen Gebieten aus der "brutalen Kontrolle" des IS befreit worden seien. Doch seien sich Washington und Bagdad einig, dass der "Kampf gegen den Terrorismus und auch gegen den IS im Irak nicht vorbei ist", fügte Sprecherin Heather Nauert hinzu.

"Wir müssen wachsam sein beim Parieren aller extremistischer Ideologien, um eine Rückkehr des IS oder das Aufkommen von Bedrohungen durch andere terroristische Gruppen zu verhindern", mahnte die US-Außenamtssprecherin weiter.

Auch die US-geführte Militärkoalition begrüßte den Erfolg. "Glückwunsch an die irakische Regierung und die irakischen Sicherheitskräfte zur Befreiung aller von Daesch gehaltenen Bevölkerungsgebiete im Irak", hieß es in einer Mitteilung der Koalition im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Die für ihre Gräueltaten berüchtigte IS-Miliz hatte 2014 ihren Siegeszug im Irak und in Syrien gestartet. Im Juni 2014 rief sie ein "Kalifat" aus, nachdem sie in einer Blitzoffensive Iraks Armee bis kurz vor Bagdad zurückgedrängt hatte.

Zum Zeitpunkt ihrer größten Machtausdehnung beherrschte die Miliz ein Gebiet von der Größe Italiens mit rund sieben Millionen Menschen. Ein Drittel des irakischen Territoriums stand zeitweise unter ihrer Kontrolle - darunter Städte wie Mossul, Tikrit, Ramadi und Falludscha.

Nach irakischen Militärangaben vom Samstag wurden die letzten IS-Einheiten im Irak im Grenzgebiet zu Syrien von der Armee und Kämpfern des paramilitärischen Schiitenbündnisses Hasched al-Schaabi ("Volksmobilisierung") besiegt. Die Armee habe nun die Grenze zu Syrien über eine Länge von 435 Kilometern im ehemaligen IS-Gebiet zwischen den Grenzübergängen al-Walid und Rabia unter Kontrolle, sagte der Chef des irakischen Oberkommandos, General Abdel Amir Jarallah.

In der Nähe von Kirkuk im Norden töteten Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben am Samstag zehn IS-Kämpfer, die sich in einem Tunnel versteckt hätten. Zudem seien ein Waffenlager und Munition entdeckt worden.

Die Gefahr durch den IS dürfte durch die militärischen Erfolge aber nicht gebannt sein. Experten rechnen damit, dass IS-Schläferzellen verstärkt auf Guerilla-Taktik setzen und Anschläge verüben. Zudem habe die Miliz noch Waffenverstecke in unbewohnten Wüstengebieten.

Die IS-Miliz war seit 2015 militärisch in der Defensive. Mit der Rückeroberung der Stadt Tikrit hatte Iraks Armee im März 2015 einen ersten Erfolg vermelden können. Iraks Truppen wurden in ihrem Anti-IS-Kampf von US-geführten internationalen Verbänden unterstützt. Auch schiitische Milizen, die vom Nachbarland Iran trainiert werden, kämpften aktiv gegen die radikalsunnitischen IS-Dschihadisten.

Auch in Iraks Nachbarland Syrien ist die Dschihadistenmiliz auf der Verliererstraße: Am Donnerstag verkündete das russische Verteidigungsministerium den Sieg über die IS-Miliz in Syrien. Allerdings meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag, der IS sei fast vier vier Jahre nach seiner Vertreibung aus der nordwestlichen Provinz Idlib wieder zurück. Nach tagelangen Kämpfen mit dem rivalisierenden Bündnis Hayat Tahrir al-Scham (HTS) eroberte der IS demnach das Dorf Baschkun.


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