30.11.2017, 12:43 Uhr

Washington (AFP) Trump greift May nach Streit um islamfeindliche Videos an

Donald Trump. Quelle: AFP/Archiv/JIM WATSON (Foto: AFP/Archiv/JIM WATSON)Donald Trump. Quelle: AFP/Archiv/JIM WATSON (Foto: AFP/Archiv/JIM WATSON)

London verärgert über Weiterverbreitung rechtsextremer Videos durch Trump

Nach der Verbreitung islamfeindlicher Videos geht Donald Trump noch einen Schritt weiter: Der US-Präsident griff die britische Premierministerin Theresa May am Mittwochabend (Ortszeit) verbal scharf an, nachdem diese das Verbreiten der Videos britischer Rechtsextremisten über Trumps Twitterkonto kritisiert hatte. "Theresa May, konzentrieren Sie sich nicht auf mich, konzentrieren Sie sich auf den zerstörerischen radikalen islamischen Terrorismus, der in Großbritannien stattfindet", schrieb Trump auf Twitter.

Trump hatte kommentarlos drei islamfeindliche Videos geteilt, die zunächst von der rechtsextremistischen Gruppierung Britain First verbreitet und mit gegen Muslime gerichteten Texten unterlegt worden waren.

Die sonst eher USA-freundliche britische Regierung übte scharfe Kritik an Trumps Vorgehen. "Es ist falsch vom US-Präsidenten, das getan zu haben", sagte Mays Sprecher. Britain First versuche, die britische Gesellschaft durch den Gebrauch "hasserfüllter Erzählungen" zu spalten. "Die britische Gesellschaft lehnt diese vorurteilsbehafteten Phrasen der Rechtsextremen mehrheitlich ab." Denn diese seien das Gegenteil von "Anstand, Toleranz und Respekt" - Werte, für die Großbritannien einstehe.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, wies die Kritik an Trump zurück: Es gehe nicht um den Wahrheitsgehalt der Videos. "Die Bedrohung ist real, davon spricht der Präsident." Es gehe um die Notwendigkeit nationaler Sicherheit und militärischer Ausgaben. "Das sind sehr reale Dinge, es gibt nichts Falsches daran."

Trump hatte sich mit seiner Kritik an May allerdings zunächst an das falsche Twitterkonto gewandt, bevor er denselben Tweet noch einmal an Mays Konto richtete.

Der stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses, Raj Shah, hatte zunächst versucht, die Wogen zu glätten. Trump habe "großen Respekt" vor dem britischen Volk und Premierministerin May, sagte Shah vor Journalisten.

Die Hass-Videos sind bereits seit längerem im Netz. In einem Video wird ein Junge auf Krücken zusammengeschlagen. Ein anderes zeigt, wie eine Gruppe Menschen einen jungen Mann von einem Dach drängt. Im dritten Video zerstört ein bärtiger Mann eine Marienstatue. Nach den Beschreibungen von Britain First handelt es sich bei allen Tätern um Muslime.

Britain First triumphierte, nachdem Trump die Videos weiterverbreitet hatte: "DER PRÄSIDENT DER VEREINIGTEN STAATEN, DONALD TRUMP, HAT DREI VIDEOS UNSERER VIZE-CHEFIN JAYDA FRANSEN VERBREITET", twitterte die Gruppe. "DONALD TRUMP SELBST HAT DIESE VIDEOS GETEILT UND HAT RUND 44 MILLIONEN FOLLOWER!" Fransen ist eine 31-jährige Juristin, die vorbestraft ist, weil sie eine Muslimin angegriffen hat.

Der britische Außenminister Boris Johnson erklärte, Großbritannien habe eine "stolze Geschichte als offene, tolerante Gesellschaft, wo Hassreden keinen Platz haben". Auch Vertreter der oppositionellen Labour-Partei in Großbritannien verurteilten das Vorgehen Trumps. Labour-Chef Jeremy Corbyn hatte die Weiterverbreitung der Videos als "abscheulich, gefährlich und eine Bedrohung" bezeichnet.

In den USA empörten sich Abgeordnete der Demokraten. Es sei "schockierend und schrecklich", solch eine Islamophobie bei einem Präsidenten zu sehen, erklärte Don Beyer.

Im US-Wahlkampf war Trump mit ausländerfeindlichen Parolen auf Stimmenfang gegangen. Im Sommer stellte er nach dem Tod einer Demonstrantin in Charlottesville das Verhalten von Rechtsextremisten und Gegendemonstranten auf eine Stufe.


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