30.08.2017, 13:21 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Stuttgart (AFP) Letzte Schritte Richtung Russland: Löw ist "angespitzt"

Löw und Thomas Müller. Quelle: dpa/AFP/Uwe Anspach (Foto:dpa/AFP/Uwe Anspach)Löw und Thomas Müller. Quelle: dpa/AFP/Uwe Anspach (Foto:dpa/AFP/Uwe Anspach)

DFB-Team kann schon am Montag Ticket für Russland lösen

Oliver Bierhoff blickte versonnen auf das Imagefilmchen zum traumhaften deutschen Fußballsommer, das im achten Stock des Stuttgarter Mercedes-Benz Museums neben ihm über den Bildschirm flimmerte. Er sei "mächtig stolz" auf die Triumphe bei Confed Cup und U21-EM, sagte der Manager der Nationalmannschaft, "aber das muss abgehakt sein". Jetzt, sollte das heißen, zählen nur noch die WM und das Ticket nach Russland.

Die Mannschaft von Joachim Löw habe dabei zwar gute Aussichten, sagte Bierhoff, "aber wer glaubt, dass es ein Selbstläufer wird, der hat sich geirrt". Er "warne" vor Zufriedenheit, ergänzte Bierhoff, auf dem Weg zur historischen Titelverteidigung 2018 "kommen noch andere Gegner, und der Druck ist ein anderer", betonte er. Sein Blick aus dem Fenster ging dabei auch in die Zukunft: Zur Mercedes-Benz Arena, wo der Weltmeister am Montag im Qualifikationsspiel gegen Norwegen seine Russland-Fahrkarte lösen kann.

Der "Startschuss" (Bierhoff) in die WM-Saison fällt aber in Prag am Freitag (20.45 Uhr/RTL) gegen Tschechien. 17 Confed-Cup-Sieger sollen dann helfen, dass der Auftakt gelingt und die Weste auch im siebten Spiel weiß bleibt - doch Bierhoff setzt vor allem auf die Etablierten im 23er-Kader. Er habe sich "sehr gefreut, Thomas Müller, Mats Hummels, Toni Kroos und Sami Khedira mal wieder gesehen zu haben, sie sind das Fundament der Mannschaft zusammen mit Manuel Neuer und Jerome Boateng", sagte er.

Dieses Sextett darf sich laut Bierhoff unantastbar fühlen. Dass Bundestrainer Löw beim Treffen am Dienstag demonstrativ den Konkurrenzkampf angeheizt hatte ("kein Freifahrtschein"), solle "nicht heißen, dass Spieler, die eine gewisse Qualität haben, infrage gestellt werden". Das gilt beispielsweise für Münchens Edelreservisten Müller, den nach Löw auch Bierhoff schützte. Müller sei "einzigartig", sagte er, "ich hoffe, dass Bayern sich bewusst wird, dass er eine Identifikationsfigur des Vereins ist".

Müller ist jedoch nicht Löws einziges Sorgenkind. Mesut Özil, den Bierhoff in seiner Aufzählung der Gesetzten nicht nannte, sucht nach seiner Form. Julian Draxler, beim Triumph von St. Petersburg als Kapitän noch Anführer der jungen Wilden, ist in Paris außen vor. Und nach der Abreise des verletzten Serge Gnabry wackelt auch Khedira, der am Mittwoch wegen Kniebeschwerden nicht trainieren konnte.

Löw sprüht vor Tatendrang. "Der Bundestrainer ist gerade nach dem Sieg beim Confed Cup angespitzt, dass er den Weg ebnen will zur WM und zum eventuellen Titel", sagte der Kölner Jonas Hector, "da ist er ziemlich heiß drauf - und wir ebenso." Sollte "Verfolger" Nordirland in San Marino oder gegen Tschechien Punkte lassen, wäre Löws Mannschaft mit zwei Siegen durch. Nach einem ersten Videostudium der Tschechen versprach Joshua Kimmich, für jede Gegnertaktik eine Lösung parat zu haben - "egal, ob sie hoch pressen oder tiefer stehen".

Bierhoff dachte derweil schon weiter. Während er "in den nächsten zwei Monaten" die Frage nach dem WM-Quartier klären will, gehe es für Löw nun darum, um die Etablierten ein neues, (titel-)hungriges Team aufzubauen. Dabei, ist Bierhoff sicher, "kann wieder eine sehr starke Mannschaft entstehen".


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