30.08.2017, 05:01 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Houston (AFP) Nächtliche Ausgangssperre in Houston aus Angst vor Plünderungen


Trump will erneut Überschwemmungsgebiete besuchen

Sturm "Harvey" hält den Süden der USA weiter in Atem. Nach ersten Plünderungen in der überschwemmten texanischen Metropole Houston verhängten die Behörden am Dienstag (Ortszeit) eine nächtliche Ausgangssperre. US-Präsident Donald Trump sprach bei einem Besuch in Texas von einer Katastrophe "historischen" Ausmaßes. Die Regenmenge erreichte einen neuen Höchststand. Auch der Nachbarstaat Louisiana bereitet sich auf Überschwemmungen vor.

Houstons Bürgermeister Sylvester Turner sagte, er verhänge eine Ausgangssperre von Mitternacht (07.00 Uhr MESZ) bis sieben Uhr morgens (12.00 Uhr MESZ), um Plünderungen in den verlassenen Häusern zu verhindern. Zuvor hatte er gesagt, die Ausgangssperre solle um 22.00 Uhr Ortszeit beginnen. Die Verschiebung auf Mitternacht begründete Turner mit den andauernden Rettungseinsätzen für in den Wassermassen eingeschlossene Menschen.

Houstons Polizeichef Art Acevedo nannte die Ausgangssperre notwendig: "Es hat Plünderungen gegeben", sagte er. Bewaffnete Diebe versuchten die Lage auszunutzen, während tausende Menschen in Notunterkünften warteten, dass das Wasser zurückgehe.

Trump besuchte am Dienstag gemeinsam mit Ehefrau Melania das Überschwemmungsgebiet und lobte Verantwortliche und Helfer. "Es ist historisch, es ist episch, aber ich sag's euch: Es ist in Texas passiert - und Texas kommt mit allem klar", sagte er in der vom Hurrikan verwüsteten Hafenstadt Corpus Christi. Vor einer Feuerwehrwache stieg er spontan auf eine Leiter, um zu den versammelten Menschen zu sprechen - neben Anhängern waren auch einige Gegner des US-Präsidenten dort. Trump besuchte auch die texanische Hauptstadt Austin.

Bereits auf dem Rückflug nach Washington kündigte seine Sprecherin Sarah Huckabee Sanders eine baldige Rückkehr des Präsidenten ins Katastrophengebiet an. Trump werde am Samstag in andere Orte in Texas und - je nach Wetter - möglicherweise auch nach Louisiana reisen. Er wolle dann auch Opfer des Sturms treffen. Um die Einsatzkräfte nicht zu behindern, habe er darauf zunächst verzichtet, sagte Huckabee Sanders.

"Harvey" ist die erste Naturkatastrophe in den USA seit Trumps Amtsantritt Ende Januar. Bilder von Ex-Präsident George W. Bush, der sich vor genau zwölf Jahren in der Air Force One in sicherem Abstand über das von Hurrikan "Katrina" überflutete New Orleans fliegen ließ, sind unvergessen und hingen Bush lange nach.

Die Lage blieb auch während Trumps Besuch dramatisch: Nach einem Dammbruch an den Columbia-Seen südlich von Houston forderten die texanischen Behörden alle betroffenen Anwohner zum Verlassen ihrer Häuser auf. Anwohner einer unter Wasser stehenden Chemieanlage wurden aus Angst vor einem Chemieunfall vorsorglich in Sicherheit gebracht. Es handele sich um eine "Vorsichtsmaßnahme", erklärte die Feuerwehr.

Die Polizei von Houston bestätigte den Tod eines Beamten, der am Sonntag auf dem Weg zu seinem Dienst ertrunken war. Es ist das vierte offiziell bestätigte Todesopfer im Zusammenhang mit der Überschwemmungskatastrophe. Inoffiziell ist von bis zu zehn Opfern die Rede.

"Harvey" stellte laut Meteorologen einen neuen Niederschlagsrekord für die USA auf. Am Salzwasserkanal Cedar Bayou an der texanischen Küste fielen am Dienstag 132 Zentimeter Regen, das ist mehr als der bisherige Höchststand aus dem Jahr 1978, der ebenfalls aus Texas stammt.

Auch in New Orleans setzten Regenfälle ein. Die örtliche Wetterbehörde sagte Sturzfluten voraus. Der Tropensturm ist für die Stadt besonders gefährlich, weil sie unterhalb des Meeresspiegels liegt.

In New Orleans wurde an den 29. August vor zwölf Jahren erinnert, als der Hurrikan "Katrina" an der US-Golfküste auf Land getroffen war. Die Stadt war damals besonders von den Zerstörungen und Überschwemmungen betroffen. Insgesamt kamen durch "Katrina" 1800 Menschen ums Leben.


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