29.08.2017, 10:37 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Houston (AFP) Trump reist in Flutgebiete nach Texas


Behörden befürchten sechs weitere Todesopfer

Vor seiner Ankunft in den Flutgebieten von Texas hat US-Präsident Donald Trump die Menschen zum Zusammenhalt aufgerufen und Hilfen zugesagt. "Wir sind eine amerikanische Familie", sagte der Präsident am Montag (Ortszeit). Er versprach, die Regierung in Washington werde Texas auf dem "langen und schwierigen Weg zum Wiederaufbau" beistehen. Die Behörden in dem von Sturm "Harvey" schwer getroffenen Bundesstaat befürchteten unterdessen sechs weitere Todesopfer.

Trump wird noch am Dienstag in Texas erwartet. Er und seine Frau Melania wollen allerdings nicht in der überfluteten Millionenmetropole Houston Halt machen, wo derzeit dramatische Rettungsaktionen laufen. Stattdessen wollten die beiden Gebiete weiter westlich besuchen. Geplant ist unter anderem ein Besuch der ebenfalls schwer getroffenen Stadt Corpus Christi.

Vize-Präsident Mike Pence sagte dem Radiosender Khou in Houston, es sei davon auszugehen, dass bis zu eine halbe Million Menschen in Texas ein Recht auf finanzielle Hilfe durch den Staat habe.

Die Gefahr durch "Harvey" ist in Texas noch lange nicht gebannt: Der Sturm, der am Freitag als Hurrikan der zweithöchsten Kategorie in Texas auf Land getroffen und später zum Tropensturm herabgestuft worden war, drehte wieder um und hält sich derzeit an der Golfküste. Dort nimmt "Harvey" neuen Regen auf und droht am Mittwoch erneut auf Land zu treffen.

Infolge der sintflutartigen Regenfälle kamen in Texas womöglich sechs weitere Menschen ums Leben. Es gebe sechs Todesfälle, die "möglicherweise" in Verbindung zu der Naturkatastrophe stünden, sagte Tricia Bentley, Sprecherin der Rechtsmedizin im County Harris, zu dem auch Houston gehört. Die genaue Todesursache sei allerdings noch unklar. Die Behörden hatten zuvor drei Todesfälle infolge des Sturms bestätigt.

In Houston war die Lage am Montag nach wie vor dramatisch: Ganze Familien waren noch immer durch die Wassermassen von der Außenwelt abgeschnitten, andere harrten in Notunterkünften auf.

Bewohnerin Latitia Rodriguez sagte der Nachrichtenagentur AFP, sie sei gemeinsam mit Mann, Kindern und Enkeln von der Polizei per Boot gerettet worden. "Es gibt noch viele Leute da, wir würden gerne helfen, aber wir mussten an unsere eigenen Kinder denken", sagte sie.

Vize-Admiral Karl Schultz von der Küstenwache sagte dem Sender CNN, es gebe 18 Hubschrauber für die Rettungseinsätze. Die Wetterverhältnisse ermöglichten derzeit den Einsatz von zwölf Hubschraubern zur gleichen Zeit. Hinzu kämen die Helikopter der Nationalgarde.

"Wenn Sie auf Ihr Dach kommen, schwenken Sie ein Handtuch", sagte er mit Blick auf die Anweisungen der Rettungskräfte. "Markieren Sie Ihr Dach, so dass die Hubschrauber-Besatzung Sie sehen kann." Der Beamte berichtete zudem von einer "erschütternden" Anzahl an eingehenden Notrufen.

Houstons Bürgermeister Sylvester Turner zufolge wurden bislang mehr als 8000 Menschen in Notunterkünfte gebracht. Die Rettungskräfte haben offenbar aber weiterhin Probleme, dem Ausmaß der Katastrophe Herr zu werden.

In Williamstown County am Rande Houstons etwa sollte ein Polizeiboot auf einer überfluteten Autobahn dutzende Menschen aus den Fluten retten, konnte sie aber nirgendwo hinbringen, weil es keine Rettungsfahrzeuge gab, welche die Betroffenen an einer Sammelstelle übernehmen konnte.

Robert Frazier floh mit Frau und Hund vor den Fluten aus dem Ort La Porte südlich von Houston, strandete aber in einem Motel auf einer Straße in Richtung des Bundesstaats Lousiana, wo ebenfalls der Katastrophenfall ausgerufen wurde. Als er umkehren wollte, stand die Autobahn bereits unter Wasser. "Wir sitzen in der Falle", sagte Frazier AFP. "So etwas habe ich noch nie erlebt."


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