28.08.2017, 13:45 Uhr zuletzt aktualisiert vor

München (AFP) Mutmaßlicher Waffenlieferant legt in Prozess um Münchner Amoklauf Geständnis ab

Angeklagter Philipp K. vor Gericht in München. Quelle: dpa/AFP/Sven HoppeAngeklagter Philipp K. vor Gericht in München. Quelle: dpa/AFP/Sven Hoppe

Staatsanwaltschaft wirft 32-Jährigem unter anderem fahrlässige Tötung vor

Der mutmaßliche Lieferant der Tatwaffe für den Münchner Amoklauf hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er räume alle ihm von der Staatsanwaltschaft vorgeworfenen Waffenverkäufe ein, ließ der Angeklagte Philipp K. am Montag zum Prozessauftakt durch seinen Verteidiger vor dem Landgericht München I erklären. K. werden mehrere Waffenverkäufe vorgeworfen - darunter auch der Verkauf der Waffe, mit welcher der Amokläufer David S. vor gut einem Jahr neun Menschen erschoss.

Wie der 32-Jährige erklären ließ, hatte er keine Anzeichen dafür, dass S. mit der Waffe vom Modell Glock 17 einen Amoklauf begehen wollte. Hätte er Anzeichen für die Pläne eines Amoklaufs und für die psychische Erkrankung des 18-Jährigen gehabt, "hätte ich ihm diese Waffe niemals verkauft", ließ K. erklären. Zugleich sprach er den Angehörigen der Toten "in ehrlich gemeinter Weise" sein Beileid aus.

S. hatte am 22. Juli 2016 am Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen und anschließend sich selbst erschossen, fünf weitere Menschen wurden durch die Schüsse verletzt. Die Tat versetzte die bayerische Landeshauptstadt damals für Stunden in einen Ausnahmezustand. Die Polizei löste Terroralarm aus.

Der Anklage zufolge wäre der Amoklauf ohne das Zutun von K. nicht möglich gewesen. Durch den Verkauf der Tatwaffe und mehr als 550 Schuss Munition für insgesamt rund 4500 Euro habe der zuletzt in Marburg lebende gelernte Verkäufer die Tat erst ermöglicht. Laut Staatsanwaltschaft sei "eine Schädigung von Personen an Leib und Leben durch eine Verwendung der Waffe und der Munition" für K. auch vorhersehbar gewesen.

Am Rande des Verfahrens wiesen Nebenklagevertreter darauf hin, dass sowohl der Angeklagte als auch der Amokläufer durch rechtsextreme Äußerungen aufgefallen seien. Trotz der rechtsextremen Haltung des Amokläufers, der gezielt auf Menschen mit einem südosteuropäischen Aussehen schoss, sieht die Münchner Polizei jahrelanges Mobbing in der Schule als Motiv für den Amoklauf.

K. machte über die Erklärung hinaus zunächst keine weiteren Angaben. Das Gericht verlas als erste Beweisstücke unter anderem Briefe von ihm an seine Lebensgefährtin und an seine Mutter. Auch in diesen Briefen räumte er seinen Waffenhandel ein und bestritt gleichzeitig, etwas von einem drohenden Amoklauf gewusst zu haben. So schrieb K. an seine Mutter: "Leider war mein letzter Kunde der wohl falscheste Kunde, dem man eine Waffe verkaufen oder eine Waffe in die Hände drücken sollte."

Der Nebenklageanwalt Yavuz Narin stellte derweil einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht, dem sich drei weitere Nebenklagevertreter anschlossen. Narin warf Richter Frank Zimmer unter anderem vor, fehlerhaft den Vorwurf der Beihife zum Mord fallen gelassen zu haben.

In den Akten fänden sich deutliche Hinweise darauf, dass K. von einem mit der Waffe geplanten Amoklauf wusste, diese Hinweise seien aber nicht berücksichtigt worden. Außerdem hielt Narin dem Richter unter anderem vor, sich zynisch über die Angehörigen geäußert zu haben und den Nebenklägern die Akteneinsicht willkürlich erschwert zu haben.


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