25.08.2017, 10:46 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Seoul (AFP) Samsung-Erbe zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt

Fünf Jahre Haft für Samsung-Erben Lee Jae Yong. Quelle: POOL/AFP/Archiv/Ahn Young-joonFünf Jahre Haft für Samsung-Erben Lee Jae Yong. Quelle: POOL/AFP/Archiv/Ahn Young-joon

Lee Jae Yong wegen Korruption und Meineids schuldig gesprochen

Der Erbe des südkoreanischen Samsung-Imperiums, Lee Jae Yong, ist zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Das zentrale Bezirksgericht in Seoul sprach den 49-jährigen Vize-Präsidenten von Samsung Electronics am Freitag unter anderem wegen Bestechung, Unterschlagung von Gesellschaftsvermögen und Meineids schuldig. Das Verfahren gegen Lee steht in Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre um Südkoreas frühere Präsidentin Park Geun Hye.

Die Staatsanwaltschaft hatte für eine zwölfjährige Gefängnisstrafe plädiert. Lee soll Ex-Präsidentin Park und deren Vertrauter Choi Soon Sil Schmiergelder in Millionenhöhe angeboten haben. Nach Schätzungen der Justiz soll er insgesamt 8,9 Milliarden Won (knapp 6,7 Millionen Euro) gezahlt haben, um sich die Unterstützung der Politik zu sichern, als an der Konzernspitze ein Generationenwechsel anstand.

Lee Jae Yong ist der einzige Sohn von Samsung-Chef Lee Kun Hee. Seit dessen Herzinfarkt 2014 nahm Lee Jae Yong die wichtigsten Führungsaufgaben im Unternehmen wahr. Samsung Electronics, unter anderem größter Smartphone-Hersteller der Welt, ist für ein Fünftel der südkoreanischen Wirtschaftsleistung verantwortlich.

Das Gericht erklärte, Lee habe "als Reaktion auf ständige Forderungen der Präsidentin Schmiergeld angeboten". Mit Blick auf weitere 22 Millionen Won, die an Stiftungen der Präsidenten-Vertrauten Choi gezahlt wurden, wurde der Unternehmer hingegen freigesprochen. Die Richter erklärten, Samsung habe keine andere Wahl gehabt als sich dem anhaltenden Druck der Präsidentin zu beugen, als es um deren Zustimmung für eine umstrittene Fusion gegangen sei.

Lee wies die Vorwürfe zurück. Seine Verteidiger erklärten, er sei über die Zahlungen nicht informiert gewesen und habe sie nicht genehmigt. Sie kündigten an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Vor dem Gerichtsgebäude brachen Anhänger von Lee in Tränen aus.

Zwei weitere Manager von Samsung wurden am Freitag zu Haftstrafen von bis zu vier Jahren verurteilt, zwei kamen auf Bewährung frei.

Die Präsidenten-Vertraute Choi war im Juni in einem ersten Verfahren zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Der vom Parlament abgesetzten Ex-Präsidentin Park wird ebenfalls der Prozess gemacht. Ihr wird vorgeworfen, namhafte südkoreanische Unternehmen unter Druck gesetzt zu haben, damit diese hohe Summen an Stiftungen Chois zahlen. Der Prozess gegen Park und weitere Angeklagte dürfte mehrere Monate dauern.

Der neue Präsident des Landes, der linksgerichtete frühere Menschenrechtsanwalt Moon Jae In, hatte im Wahlkampf versprochen, die familiengeführten Großkonzerne des Landes - die sogenannten Chaebol - zu reformieren. Die Konzerne waren immer wieder in Korruptionsskandale verwickelt. Die vier größten Mischkonzerne - Samsung, Hyundai, SK und LG - seien "Hindernisse für das Wirtschaftswachstum", hatte der neue Präsident erklärt.

Ein schärferes Vorgehen gegen die Chaebol hatten bereits viele Politiker angekündigt - bislang ohne Erfolg. Beobachter räumen dem Plan nun bessere Chancen ein, nachdem Millionen von Südkoreanern gegen Park und viele auch gegen die Chaebol demonstriert hatten.

Nach Angaben des Analysten Chung Sun Sup handelt es sich bei der Haftstrafe für Lee um das bislang schärfste Urteil gegen einen Chaebol-Chef. Angesichts der fünf Anklagepunkte seien "fünf Jahre das Minimum dessen, was sie machen konnten".


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