22.08.2017, 14:54 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Washington (AFP) Trump will US-Militäreinsatz in Afghanistan ausweiten

Trump stellt seine Afghanistan-Strategie vor. Quelle: AFP/Nicholas KammTrump stellt seine Afghanistan-Strategie vor. Quelle: AFP/Nicholas Kamm

Für die Bundeswehr soll sich aber nichts ändern

Truppenaufstockung statt Abzug aus Afghanistan: US-Präsident Donald Trump will den Militäreinsatz am Hindukusch entgegen früheren Äußerungen fortsetzen und ausweiten. Mit der Verkündung seiner Afghanistan-Strategie machte Trump den Weg für die Entsendung von bis zu 3900 zusätzlichen US-Soldaten frei. Kabul und die westlichen Verbündeten begrüßten Trumps Ankündigung. Am deutschen Einsatz soll sich aber nichts ändern.

Bei seiner Rede auf dem Militärstützpunkt Fort Myer in der Nähe von Washington rückte der US-Präsident am Montagabend von seiner früheren Kritik an dem Einsatz am Hindukusch ab und räumte ein, dass er die Lage nun anders bewerte. "Mein Gefühl war es abzuziehen", sagte Trump. Nach monatelangen Diskussionen sei er aber zu dem Schluss gekommen, dass ein übereilter Abzug ein "Vakuum" für "Terroristen" hinterlassen würde.

Während Trump es vermied, eine konkrete Zahl hinsichtlich der zusätzlichen Soldaten für Afghanistan zu nennen, wies der Präsident nach Angaben ranghoher Mitarbeiter des Weißen Hauses Verteidigungsminister James Mattis bereits an, bis zu 3900 weitere US-Soldaten am Hindukusch zu stationieren.

Ihre künftigen Aufgaben blieben zunächst unklar, doch betonte Trump in seiner Rede die Bedeutung des Anti-Terror-Kampfs in Afghanistan. "Wir machen keine Staatenbildung mehr, wir töten Terroristen", sagte der Präsident.

Die radikalislamischen Taliban reagierten umgehend und drohten Washington. Sollten die USA ihre Truppen nicht abziehen, werde Afghanistan bald ein "weiterer Friedhof für diese Supermacht", erklärte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid.

Derzeit haben die USA etwa 8400 Soldaten in Afghanistan stationiert. Rund 7000 davon beteiligen sich an der Nato-Ausbildungsmission Resolute Support, die von der Bundeswehr mit derzeit 931 Soldaten unterstützt wird. Unabhängig von der Nato bekämpfen zudem US-Spezialkräfte Extremistengruppen wie Al-Kaida und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Afghanistan.

Der afghanische Staatschef Aschraf Ghani lobte Trumps Ankündigung. Dies zeige, dass es für das Engagement der USA in Afghanistan keine "zeitliche Begrenzung" gebe, sagte Ghani in Kandahar.

Trumps Ankündigung traf auch bei den westlichen Verbündeten und der Nato auf Beifall. "Die Bundesregierung begrüßt die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, sich weiterhin langfristig in Afghanistan zu engagieren", erklärte eine Regierungssprecherin in Berlin.

Am deutschen Einsatz sind keine Änderungen geplant: Es sei weder ein neuer Auftrag noch eine Aufstockung der Bundeswehr-Truppen vorgesehen, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) forderte eine enge Abstimmung zwischen den USA und Europa - auch, um die Flucht aus dem Land am Hindukusch zu stoppen.

Trump ging in seiner Rede auch auf die Rolle der pakistanischen Regierung ein, der er vorwarf, "Terrororganisationen" zu beherbergen. Er drohte Islamabad mit einer Kürzung der Finanzhilfen. Trump zeigte sich zugleich erstmals offen für eine mögliche politische Einigung mit den Taliban.

Der US-Militäreinsatz in Afghanistan hatte infolge der Terroranschläge vom 11. September 2001 begonnen. Unter Trumps Vorgänger Barack Obama hatten die USA zeitweise mehr als 100.000 Soldaten in dem Land stationiert, seit 2011 sank ihre Zahl aber kontinuierlich.


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