20.08.2017, 16:21 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Barcelona (AFP) Katalanische Terrorzelle hortete 120 Gasflaschen für Anschläge


Fahndung nach 22-jährigem Marokkaner - Rolle des Imams von Ripoll ungeklärt

Die spanische Region Katalonien ist möglicherweise einer noch viel verheerenderen Anschlagsserie entgangen: Die Terrorzelle habe für ihre Attentatsprojekte mindestens 120 Gasflaschen gehortet, teilte die Polizei in Barcelona am Sonntag mit. Auf dem Gelände des von der Zelle genutzten Hauses in Alcanar seien auch Spuren des hochexplosiven Sprengstoffs TATP gefunden worden. In Trauerfeiern wurde am Sonntag der 14 Toten und mehr als 120 Verletzten der Anschläge von Barcelona und Cambrils gedacht.

Als Mitglied der zwölfköpfigen Terrorzelle und möglicher Attentäter von Barcelona wurde weiterhin der 22-jährige Marokkaner Younes Abouyaaqoub gesucht. Laut Medienberichten soll er den Lieferwagen in die Menschenmenge auf der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona gesteuert haben. Es sei unklar, ob er sich noch in Spanien befinde, sagte der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero am Sonntag. Die katalanische Polizei erklärte, es stehe weiterhin nicht fest, wer den Lieferwagen gefahren habe.

Die zwölfköpfige Terrorzelle soll von den Orten Ripoll und Alcanar in Katalonien aus agiert haben. In Alcanar hätten die Verdächtigen mindestens 120 Gasflaschen für "einen oder mehrere Anschläge" in der katalanischen Hauptstadt angesammelt, teilte die Polizei mit.

Die Gasflaschen hätten sich auf dem Anwesen in Alcanar befunden, wo durch eine Explosion in der Nacht zum Donnerstag die ursprünglichen Anschlagspläne durchkreuzt worden seien. Dort wurden auch Spuren des hochexplosiven Sprengstoffs TATP gefunden. Die Attentäter hatten nach der Explosion mit Fahrzeugen die zwei Anschläge in Barcelona und Cambrils verübt.

Zu der Terrorzelle zählte den Ermittlern zufolge ein marokkanisches Bruderpaar - der 17-jährige Moussa Oukabir, der zusammen mit vier weiteren mutmaßlichen Attentätern in Cambrils erschossen wurde, und sein 27-jähriger Bruder Driss Oukabir, der in Ripoll festgenommen wurde. Der 17-Jährige war zunächst als möglicher Fahrer des Lieferwagens bei dem Anschlag in Barcelona genannt worden.

Obwohl die Fahndung nach Abouyaaqoub noch laufe, sei die Terrorzelle "zerschlagen", sagte der Innenminister der katalanischen Regionalregierung, Joaquim Form. Zu den Anschlägen in Barcelona und Cambrils hatte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

In Ripoll wurde am Samstag die Wohnung des Imams Abdelbaki Es Satty durchsucht, der nach Informationen der Zeitung "El País" möglicherweise bei der Explosion in Alcanar getötet wurde. Es Sattys Mitbewohner sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe den Imam am Dienstag zum letzten Mal gesehen. Der islamische Geistliche habe ihm gesagt, dass er seine Frau in Marokko besuchen wolle.

Seit der Imam Es Satty vor zwei Jahren nach Ripoll gekommen sei, habe es dort einen "Wandel" gegeben, sagte ein 46-jähriger Einwohner, der nur den Namen Moha nannte. In Ripoll lebten die meisten Mitglieder der Terrorzelle. Laut Medienberichten war der Imam der spanischen Polizei bekannt. Er soll selbst wegen kleinerer Straftaten im Gefängnis gewesen sein und dort Häftlinge getroffen haben, die an dem verheerenden islamistischen Anschlag von Madrid 2004 beteiligt waren.

Am Sonntag versammelten sich rund 2000 Menschen in der Basilika Sagrada Família in Barcelona, wo unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ein Trauergottesdienst stattfand. Daran nahmen auch König Felipe, der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy und der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont teil.

Wie sich am Wochenende herausstellte, war unter den Toten des Anschlag von Barcelona auch ein siebenjähriger Junge, der als vermisst gemeldet wurde. Julian Cadman sei unter den 13 Opfern, die durch einen Lieferwagen auf den Ramblas getötet wurden, teilten die Rettungskräfte mit. Der britisch-australische Junge war von seinem Großvater vermisst gemeldet worden.


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