19.08.2017, 00:47 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Bamako (AFP) Malisches Gericht verurteilt "Handabschneider" von Gao zu zehn Jahren Haft

Aliou Mahmar Touré in einem Video 2012. Quelle: AFP/Archiv/-Aliou Mahmar Touré in einem Video 2012. Quelle: AFP/Archiv/-

Touré war Polizeichef während Herrschaft der Dschihadisten 2012 und 2013

Der Polizeichef während der islamistischen Herrschaft im malischen Gao ist wegen seiner Gewalttaten zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Aliou Mahmar Touré, der als "Handabschneider" von Gao Bekanntheit erlangte, wurde am Freitag von einem Gericht in der malischen Hauptstadt Bamako aller ihm zur Last gelegten Verbrechen schuldig gesprochen. Allerdings erkannte das Gericht "strafmildernde Umstände" an.

Angeklagt wurde Touré unter anderem wegen Gefährdung der staatlichen Sicherheit und schwerer Körperverletzung, jedoch zum Unmut von Menschenrechtsorganisationen nicht wegen Folter oder Kriegsverbrechen. Touré war Polizeichef in Gao, der größten Stadt im Norden Malis, als die Dschihadisten dort zwischen 2012 und 2013 herrschten. 2013 wurde er von der malischen Armee gefangen genommen.

Touré wird vorgeworfen, er habe Dieben die Hand abgeschnitten und Frauen, die nicht wie vorgeschrieben verschleiert waren, öffentlich ausgepeitscht. "Das war ich nicht. Das waren die mauretanischen, algerischen und sahrauischen Dschihadisten, die die Hände abschnitten", hatte Touré bei seiner einzigen Anhörung beteuert. Der Prozess dauerte nur einen Tag.

Der Präsident der Malischen Vereinigung für die Verteidigung der Menschenrechte, Moctar Mariko, der einige Zivilkläger in dem Verfahren vertrat, bezeichnete die zehnjährige Haftstrafe als zu milde. "Ich hätte doch eine schwerere Strafe erwartet", erklärte er.

Tourés Anwalt Tiessolo Konare erklärte hingegen, die Verurteilung seines Mandanten gründe sich nicht auf unwiderlegbare Beweise. Touré habe nicht zur ersten Garde der Dschihadisten gehört. Führende Dschihadisten seien hingegen noch auf freiem Fuß.

Mali war nach einem Militärputsch im März 2012 ins Chaos gestürzt, mehrere islamistische Gruppierungen brachten den Norden des Landes unter ihre Kontrolle. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff im Januar 2013 militärisch ein. Sie wird inzwischen von der UN-Mission unterstützt, an der auch die Bundeswehr beteiligt ist.


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