18.08.2017, 10:57 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Berlin (AFP) Drogenbeauftragte warnt vor Verharmlosung von Cannabis

Drogenbeauftragte warnt vor Cannabis. Quelle: AFP/Archiv/MIGUEL MEDINADrogenbeauftragte warnt vor Cannabis. Quelle: AFP/Archiv/MIGUEL MEDINA

Mortler mahnt mehr Hilfe für Kinder suchtkranker Eltern an

Immer weniger Jugendliche rauchen und trinken Alkohol - der Cannabiskonsum bei jungen Deutschen steigt allerdings. Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) warnte bei der Vorstellung des neuen Drogen- und Suchtberichts am Freitag in Berlin daher vor einer Verharmlosung von Cannabis. Gerade für junge Menschen gebe es erhebliche gesundheitliche Risiken. Zugleich mahnte Mortler mehr Hilfe für Kinder suchtkranker Eltern an.

Der Bericht fasst jährlich aktuelle Studien und Daten zu verschiedenen Schwerpunktthemen zusammen. Daraus geht unter anderem hervor, dass bei Jugendlichen und Heranwachsenden die Bereitschaft, Cannabis zu probieren, seit einigen Jahren steigt. "Das ist auch deshalb so problematisch, weil der Wirkstoffgehalt von Cannabis heute etwa fünfmal so hoch liegt wie noch vor 30 Jahren", warnte Mortler. Die gesundheitlichen Auswirkungen gerade auf junge Menschen seien dadurch massiv gewachsen.

Studien legen nahe, dass der Cannabiswirkstoff THC ungünstig in die Entwicklung des Gehirns eingreift. Damit einher geht eine schlechtere Merkfähigkeit, was Auswirkungen auf die schulische und berufliche Leistung haben kann. Die Politik werde in den kommenden Jahren "einen Millionenbetrag in die Hand nehmen müssen", um mehr Aufklärungsarbeit in den Schulen oder in der betrieblichen Suchtprävention zu leisten, forderte die Drogenbeauftragte.

Nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2015 hatten insgesamt 7,3 Prozent der Zwölf- bis 17-jährigen Jugendlichen binnen zwölf Monaten Cannabis konsumiert, das war ein Anstieg um zuletzt zwei Prozentpunkte. Bei den 18- bis 25-Jährigen nahmen 15,3 Prozent binnen zwölf Monaten Cannabis.

Bei Erwachsenen ist Cannabis insgesamt die am häufigsten konsumierte illegale Substanz. Schätzungen gehen von rund 3,1 Millionen erwachsenen Cannabiskonsumenten in Deutschland aus.

Sorge bereitet Mortler demnach die Lage von Kindern in suchtbelasteten Familien. Das Thema ist Schwerpunkt im diesjährigen Bericht. Studien zufolge haben mehr als drei Millionen Kinder und Jugendliche mindestens einen suchtkranken Elternteil. Die Dunkelziffer ist vermutlich aber noch viel höher.

"Suchtpolitik darf nicht bei den Suchtkranken selbst enden", forderte Mortler. Ohne Hilfe entwickelten ein Drittel der betroffenen Kinder selbst eine Suchterkrankung und ein weiteres Drittel eine andere psychische Störung. Sie forderte Bund, Länder und Kommunen auf, flächendeckende Netzwerke mit klaren Ansprechpartnern zu schaffen. Die Ländern müssten dies unterstützen.

Eine kritische Bilanz der Arbeit der Drogenbeauftragten in den vergangenen vier Jahren zogen Grüne und Linkspartei. Sie nannte die Ergebnisse "enttäuschend" und "mager". Seit Mortlers Amtsantritt sei die Zahl der Toten durch illegale Drogen um 30 Prozent gestiegen, erklärte Frank Tempel, Vizefraktionschef der Linken im Bundestag. Er forderte einen "grundlegenden Paradigmenwechsel in der Drogenpolitik". "Wer abhängig ist, benötigt Hilfe und keine Strafe."

Auch Harald Terpe, Sprecher für Drogen- und Suchtpolitik der Grünen-Fraktion, erklärte, pauschale Verbote könnten in der Praxis nicht durchgesetzt werden und schafften stattdessen einen riesigen Schwarzmarkt. Gerade weil viele Substanzen nicht harmlos seien, "braucht es eine effektive Regulierung mit Verbraucher- und Jugendschutz".


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