17.08.2017, 21:10 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Barcelona (AFP) Mindestens 13 Tote und über 50 Verletzte bei Anschlag mit Fahrzeug in Barcelona


Dschihadistenmiliz IS bekennt sich - Zwei Festnahmen

Terror in Barcelona: Auf dem Prachtboulevard Las Ramblas im Zentrum der spanischen Metropole ist ein Lieferwagen in eine Menschenmenge gerast - mindestens 13 Menschen wurden nach Behördenangaben getötet und mehr als 50 weitere verletzt. Zu der Tat bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), es gab zwei Festnahmen. Bei einem weiteren Vorfall in Barcelona fuhr ein Auto zwei Polizisten um.

Die Polizei sprach nach der Tat auf der Flaniermeile Las Ramblas von einem "massiven Zusammenstoß", der absichtlich durch den Fahrer des Lieferwagens herbeigeführt worden sei. Unter den Verletzten seien auch Schwerverletzte. Zu den mindestens 13 Toten zählte nach Angaben des belgischen Außenministers Didier Reynders auch eine Belgierin.

Das ZDF meldete am Abend unter Berufung auf Sicherheitskreise auch drei getötete Deutsche. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin verlautete, es gebe noch keine Informationen dazu, ob auch Deutsche betroffen seien. Deutschen Reisenden wurde geraten, den Bereich um den Anschlagsort zu meiden.

Einer der beiden Festgenommenen wurde als Driss Oukabir identifiziert, wie ein Sprecher der Polizeigewerkschaft sagte. Weitere Details zu dem Mann wurden zunächst nicht genannt.

Der Unglücksort wurde abgeriegelt, zahlreiche Krankenwagen und Polizeifahrzeuge waren vor Ort, wie ein AFP-Journalist berichtete. Die Polizei informierte die Menschen per Megafon, dass es einen Terroranschlag gegeben habe. Passanten verließen die Gegend fluchtartig.

Polizisten forderten die Betreiber der Geschäfte auf, Passanten hineinzulassen und anschließend die Rollläden herunterzulassen. U-Bahn-Stationen in der Nähe wurden geschlossen. Augenzeugen berichteten von dramatischen Szenen und am Boden liegenden Menschen. Andere rannten demnach um ihr Leben.

Las Ramblas zählt zu den geschäftigsten Straßen in der katalanischen Metropole. In der Regel wird der Boulevard mit seinen vielen Geschäften und Restaurants bis spät in die Nacht von Touristen besucht, viele Straßenkünstler treten dort auf.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich unterdessen bei einer Polizeikontrolle in Barcelona: "Im Zuge der Abriegelung der Stadt Barcelona ist ein Auto gewaltsam durch eine Polizeikontrolle gefahren und hat zwei Beamte umgefahren", sagte eine Polizeisprecherin. Sie schwebten aber nicht in Lebensgefahr.

Es seien Schüsse abgefeuert worden, um das Auto zu stoppen. Das Fahrzeug wurde laut Polizei später in Sant Just Desvern nahe Barcelona gestoppt. Unklar war, ob der Fahrer noch im Auto war. Ebenfalls offen war, ob ein Zusammenhang zu dem Anschlag auf Las Ramblas bestand.

Das spanische Königshaus verurteilte die Tat auf dem Boulevard mit scharfen Worten. Spanien lasse sich nicht von Extremisten "terrorisieren", hieß es.

Die Bundesregierung sprach den Anschlagsopfern ihr Beileid aus. Deutschland stehe in Solidarität und Freundschaft an der Seite der Spanier, twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) und Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zeigten sich "tief erschüttert".

US-Präsident Donald Trump und Außenminister Rex Tillerson boten Spanien die Hilfe der USA an. Auch EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani bot "volle Unterstützung" an.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach den Opfern des "tragischen Anschlags" sein Mitgefühl aus. Die britische Premierministerin Theresa May schrieb auf Twitter, Großbritannien sei im Kampf gegen den Terror an der Seite Spaniens.

Russlands Präsident Wladimir Putin schrieb in einer Beileidsbekundung, sein Land verurteile das "grausame und zynische Verbrechen an Zivilisten". Er forderte die Welt auf, sich in einem "kompromisslosen Kampf gegen den Terror" zu vereinen.

Spanien wurde bislang von extremistischer Gewalt weitgehend verschont, wie sie jüngst in anderen europäischen Ländern verübt wurde. Allerdings gab es 2004 in Madrid den europaweit bislang tödlichsten Terroranschlag. Im März 2004 wurden 191 Menschen getötet, als dort in Pendlerzügen Bomben explodierten. Zu der Tat bekannten sich Anhänger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Spanien ist das drittgrößte Touristenziel weltweit. Die spanischen Behörden halten sich hinsichtlich der Bedrohung durch den Terrorismus weitgehend bedeckt. Die Terrorwarnstufe wurde 2015 allerdings auf Stufe vier von fünf erhöht. Überdies geben die Behörden regelmäßig Festnahmen mutmaßlicher Dschihadisten bekannt.


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