15.08.2017, 14:42 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Berlin (AFP) Airberlin steuert in die Insolvenz und bekommt Kredit vom Bund

Airberlin ist insolvent. Quelle: AFP/Archiv/TOBIAS SCHWARZAirberlin ist insolvent. Quelle: AFP/Archiv/TOBIAS SCHWARZ

Lufthansa in Verhandlungen zur Übernahme von Teilen der Airline

Airberlin hat Insolvenz angemeldet und kann nur dank eines Überbrückungskredits des Bundes den Flugbetrieb aufrechterhalten. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft teilte mit, dass der größte Einzelaktionär Etihad nach jahrelanger finanzieller Unterstützung den Geldhahn zugedreht habe. Teile von Airberlin könnten nun von der Lufthansa übernommen werden, beide Fluggesellschaften und der Bund hoffen auf eine rasche Einigung.

Airberlin stellte am Dienstag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Dabei sucht ein Bevollmächtigter gemeinsam mit dem Unternehmen nach einer Lösung. Das Amtsgericht bestimmte den Rechtsanwalt Lucas Flöther zum vorläufigen Sachwalter, der "Wirtschaftswoche" zufolge wurde der Jurist Frank Kebekus als Generalbevollmächtigter eingesetzt.

Ziel des Insolvenzverfahrens sei es, "die bereits eingeleitete Restrukturierung fortzuführen", erklärte Airberlin. Die Airline betonte, dass alle Flugpläne und Tickets ihre Gültigkeit behalten, alle Flüge stattfinden und auch weiterhin gebucht werden können. Damit der Flugverkehr weitergehen kann, springt der Bund dem Unternehmen mit einem Kredit von 150 Millionen Euro zur Seite, den die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zur Verfügung stellt und der durch eine Bundesbürgschaft abgesichert ist.

Eigentlich wäre die Airline nach Insolvenzrecht verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb "unmittelbar nach Einreichung des Insolvenzantrags einzustellen", erklärten das Bundesverkehrs- und das Bundeswirtschaftsministerium. Das werde nun inmitten der Ferienzeit vermieden. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zufolge dürfte mit dem Übergangskredit sowie Eigenmitteln der Flugverkehr wohl bis Ende November aufrechterhalten werden. Dann müssten die Verhandlungen über die Zukunft der Fluggesellschaft abgeschlossen sein, sagte er.

Die Fluggesellschaft Etihad aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erklärte, die Insolvenz sei "enttäuschend für alle Parteien". Etihad habe Airberlin in den vergangenen sechs Jahren "umfassende Unterstützung gewährt", erst im April habe die Airline 250 Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln erhalten. Das Geschäft habe sich zuletzt aber "rapide verschlechtert" und Etihad könne unter diesen Umständen "als Minderheitsgesellschafter keine weitere Finanzierung leisten".

Die staatlich kontrollierte Etihad war erst 2003 gestartet und auch durch Aufkäufe rasch gewachsen. Bei Airberlin war Etihad zuletzt mit 29,2 Prozent der größte Einzelaktionär. Ende Juli gab Etihad einen Milliardenverlust für das vergangene Jahr bekannt - unter anderem wegen des Engagements bei Airberlin.

Interessiert an Teilen von Airberlin ist nun unter anderem die Lufthansa. Derzeit liefen bereits Verhandlungen und Lufthansa beabsichtige, diese "zu einem schnellen und positiven Ergebnis zu führen", teilte die größte deutsche Fluggesellschaft mit. Auch Airberlin erklärte, dass die Verhandlungen mit Lufthansa und weiteren Partnern zum Erwerb von Betriebsteilen "weit fortgeschritten" seien und "erfolgsversprechend" verliefen.

SPD-Chef Martin Schulz dankte seiner Parteikollegin und Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries für das schnelle Handeln beim Überbrückungskredit. Die SPD werde nun die Verhandlungen über die Zukunft der Fluggesellschaft "sehr intensiv und aufmerksam begleiten, vor allem im Interesse der Belegschaft", sagte er. Auch CSU-Chef Horst Seehofer nannte die Hilfe "gerechtfertigt" im Sinne der Urlauber, weitere staatliche Mittel jenseits dieser Akuthilfe lehnte er in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" jedoch ab.

Die Gewerkschaften Verdi und Vereinigung Cockpit sprachen nach der Insolvenzmeldung von einem "harten Schlag" und einem "Schock" für die Beschäftigten. Die Priorität liege nun auf der Sicherung der Arbeitsplätze.


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