15.08.2017, 12:40 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Freetown (AFP) Hochwasserkatastrophe erschüttert westafrikanisches Sierra Leone

Hochwasser in Regent. Quelle: Society 4 climate change communication Sierra Leone/AFP/STRHochwasser in Regent. Quelle: Society 4 climate change communication Sierra Leone/AFP/STR

Verzweifelter Kampf um Überlebende in den überschwemmten Straßen von Freetown

Die braune Brühe reicht den Menschen mitunter bis zur Brust, Helfer graben mit bloßen Händen in Schlammmassen nach Überlebenden, während weiter Leichen in den Fluten treiben. Sierra Leones Hauptstadtregion ist von einer Hochwasserkatastrophe getroffen worden. Nachdem am Montag bereits mehr als 310 Todesopfer gemeldet worden waren, suchten am Dienstag Helfer in Freetown und Umgebung weiter nach möglichen Überlebenden. Die Regierung richtete einen Hilfsappell an die internationale Gemeinschaft.

"Mancherorts wurden ganze Gemeinden fortgespült und was übrig blieb, ist mit Schlamm überzogen", erklärte der zuständige Programmkoordinator der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung (IFRC), Abdul Nasir, am Dienstag. Helfer grüben "mit bloßen Händen und allen verfügbaren Werkzeugen, um Überlebende zu finden". Laut Rotem Kreuz fehlte es an geeignetem Werkzeug für die Bergungsarbeiten.

Am Montag hatte ein Sprecher des Roten Kreuzes die Zahl der bislang entdeckten Todesopfer mit 312 angegeben. Die Zahl drohe aber noch zu steigen, sagte er. Regierung und örtliche Medien nannten unterschiedliche Opferzahlen. Mehr als 3000 Menschen wurden nach Regierungsangaben durch die Überschwemmungen obdachlos.

Die Regierung richtete ein Notfallzentrum in dem besonders stark zerstörten Bergort Regent am Rande von Freetown ein. Überall in der Hauptstadt sollten Registrierungszentren als Anlaufstelle für die Obdachlosen eingerichtet werden.

Dreitägige Regenfälle hatten in Regent einen Erdrutsch ausgelöst. Das Abwassersystem in Freetown wurde schnell nicht mehr mit den Wassermassen fertig. Durch die Überflutungen wurden insbesondere einfache Siedlungen an den Berghängen und in Küstengebieten fortgespült.

Staatschef Ernest Bai Koroma startete einen eindringlichen Hilfsappell an die internationale Gemeinschaft. Sein Land brauche "dringend" Hilfe, sagte er am Dienstag in Regent sichtlich bewegt. "Wir sind überfordert" mit der Katastrophe, gestand er ein.

Am Vortag hatte Koroma sein Land, das noch immer an den Folgen der 2014 ausgebrochenen Ebola-Epidemie und eines langen Bürgerkriegs zu tragen hat, zur Einheit aufgerufen. "Unser Land ist einmal mehr von Schmerz ergriffen worden", sagte er in einer Rede an die Nation.

"Viele unserer Landsleute haben ihr Leben verloren, viele mehr wurden schwer verletzt und Eigentum im Wert von Milliarden (der Landeswährung) Leone wurden durch die Überflutungen und Erdrutsche zerstört", bilanzierte der Präsident. "Jede einzelne Familie, jede einzelne ethnische Gruppe, jede einzelne Region ist entweder direkt oder indirekt von dieser Katastrophe betroffen." Nach Angaben von Vize-Informationsminister Cornelius Deveaux hatte Koroma bereits am Montag den nationalen Notstand ausgerufen.

Der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, erklärte vor Koromas Hilfsappell, die Europäische Union stehe "bereit zu helfen". Auch die britische Regierung sagte Unterstützung zu. Das israelische Außenministerium erklärte, es werde Sierra Leone "sofort und in jeder möglichen Weise" Hilfe wie etwa Trinkwasser, Decken und Medikamente bereitstellen.

Im westafrikanischen Sierra Leone ereignen sich alljährlich Überschwemmungen infolge heftiger Regenfälle. Wegen der schlechten Bauweise vieler Häuser werden dabei immer wieder Gebäude zerstört. Freetown hat gut eine Million Einwohner. Sierra Leone zählt zu den ärmsten Ländern der Welt.


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